Donnerstag, 18. Juni 2009

Können die Spanier überhaupt verlieren?
Iberer auf fröhlicher Jagd nach Rekorden

  • Europameister hält bei bereits 14 Siege in Folge
  • David Villa steht vor dem Abschied von Valencia

14 Siege in Folge, seit 34 Spielen ungeschlagen - Spaniens Serienhelden schreiben beim sportlich umstrittenen Confederations Cup Fußball-Geschichte. Und auch nach dem Halbfinal-Einzug durch das unspektakuläre 1:0 gegen Asienmeister Irak gibt es keine Rekord-Pause für den Europameister. "Wir haben den Anspruch, immer mehr Spiele zu gewinnen. Das ist eine Herausforderung für uns", verkündete Abwehrspieler Carlos Marchena.

Auch wenn Trainer Vicente del Bosque das letzte Gruppenspiel am Samstag gegen Gastgeber Südafrika nun "etwas ruhiger angehen" lassen kann und mit Blick auf ein mögliches Halbfinale gegen Brasilien oder Italien "einigen Spieler eine Pause" gönnen möchte - zu verschenken hat der Turnier-Favorit nichts. Mit Sieg Nummer 15 wären die Spanier alleiniger Weltrekordhalter vor Brasilien, Frankreich und Australien (alle 14 Siege), zudem würden die Iberer die brasilianische Bestmarke von 35 Länderspielen ohne Niederlage egalisieren. "Rekorde und Geschichte zu schreiben, ist immer bedeutend. Das ist ein Antrieb für uns", sagte Barcelonas Champions-League-Sieger Carles Puyol.

Zuletzt hat Europarekordler Spanien im November 2006 gegen Rumänien 0:1 verloren. Gegen die Fußball-Verhinderer des Irak drohte ein Ende der Erfolgsserien nicht, auch wenn die mit halber Kraft agierenden Iberer sich mit dem Kopfballtor von David Villa begnügen mussten. "Das hat heute gereicht, um ins Halbfinale einzuziehen", meinte Mittelfeldspieler Xabi Alonso.

"Noch nicht am Ende der Entwicklung"
Das erste Etappenziel beim WM-Probelauf ist erreicht - weitere Rekorde und der Confed-Cup-Titel sollen folgen. "Wir sind noch nicht am Ende unserer Entwicklung", erklärte Innenverteidiger Marchena.

Das gilt auch für EM-Torschützenkönig Villa. Mit seinem 30. Länderspieltor überflügelte der 27-Jährige Fernando Hierro (29) in der ewigen spanischen Torschützenliste und liegt als alleiniger Zweiter nur noch 14 Treffer hinter Rekord-Goalgetter Raul. Mit ihm könnte Villa künftig bei Real Madrid zusammenspielen, wenn die "Königlichen" auf ihrer Millionen-Shopping-Tour die Mitbewerber FC Barcelona, Manchester United und Chelsea ausstechen sollten.

Villa kennt seine Zukufnt schon
Villa äußerte sich nach seinem zweiten Turnier-Tor nur kurz im Fernsehen: "Ich habe eine Entscheidung getroffen. Mein Agent kennt sie. Ich bin ganz ruhig." Nach dem Duschen schlich er an den Reportern in den Katakomben des Free State Stadium wortlos mit Kopfhörern vorbei. Der finanziell angeschlagene Valencia CF muss Villa wohl verkaufen, Vereinspräsident Manuel Llorente hatte die Ablösesumme unlängst auf 50 Millionen geschraubt.

Trainer Del Bosque meinte, Villa könne wie Sturmpartner Fernando Torres "in jedem Team der Welt" spielen. Über den Marktwert des heiß umworbenen Torjägers mochte Del Bosque aber nicht spekulieren. "Ich bin kein Fachmann für Wirtschaft und Transfermärkte", sagte der spanische Coach mit einem für ihn seltenen Lächeln im Gesicht.

Südafrika hat einen neuen Helden
Heitere Mienen waren auch wieder im Lager der Südafrikaner zu sehen, dazu reichte ein 2:0 gegen Neuseeland. "OH YES BAFANA", titelte "The Sowetan" nach dem ersten Sieg des WM-Gastgebers im Confederations Cup und erhob den vier Tage zuvor noch förmlich verteufelten Doppel-Torschützen Parker in den Heiligenstand: "Es ist Sankt Bernard".

Nach dem 2:0 gegen harmlose "Kiwis" ist die südafrikanische Fußball-Welt ganz schnell wieder rosarot getüncht, und sogar die übermächtig wirkenden Spanier verbreitet angesichts des möglichen Einzugs ins Halbfinale des WM-Testlaufs nicht mehr ganz so viel Schrecken. "Der Sieg hat Wunder gewirkt. Das Selbstvertrauen ist zurück. Wir können es schaffen", sagte Co-Trainer Pitso Mosimane.

Mosimanes Chef, Joel Santana, entkam durch den Sieg einer sicheren Entlassung und war entsprechend entspannt. "Das hat mir gefallen. Wir hätten mehr Tore schießen müssen, aber wir haben guten Fußball gespielt", sagte der "Bafana"-Coach. Das Duell mit Spanien am Samstag, in dem mit einem Punkt der Einzug ins Semifinale fix gemacht werden kann, erhob Santana "zum größten Test" seiner Amtszeit.

Torschütze Parker erlebte eine kleine Auferstehung. Nach seiner unfreiwilligen und grotesken Rettungsaktion auf der irakischen Torlinie, die einen Auftaktsieg verhindert hatte, war er nun Sieggarant. "Das ist das größte Gefühl überhaupt, aber ohne meine Kollegen wäre ich nicht hier", sagte Parker. "Ich möchte weiter das tun, was mir Spaß macht, und das ist Tore schießen, statt sie zu verhindern."

Für die auch in ihrem achten Confed-Cup-Spiel überforderten und bezwungenen "Kiwis" ist das Turnier praktisch vorbei. Die letzte Partie will Trainer Ricki Herbert aber nicht ungenutzt lassen und gleich zur Vorbereitung auf die WM-Relegation nutzen. Der Irak kommt als Gegner gerade recht. Im November stehen für Neuseeland nämlich die entscheidenden Partien auf dem Weg zur WM 2010 an. Gegner ist dann ein Team aus der gleichen Region: Bahrain oder Saudi-Arabien.
(apa/red)

18.6.2009 13:17