Donnerstag, 18. Juni 2009

Verstärkte Kritik an Mega-Transfergeldern:
Für Magath kein Wettbewerb auf Augenhöhe

  • "In Deutschland wird relativ vernünftig gewirtschaftet"
  • Löw: "Summen unangemessen und völlig überzogen"

94 Millionen Euro für Cristiano Ronaldo, 65 Millionen für Kaka - und nun 76 Millionen für Franck Ribery? In Europa werfen einige Fußball-Topclubs derzeit mit Geld nur so um sich. Doch Experten wie der deutsche Teamchef Joachim Löw und Wolfsburgs Meistercoach Felix Magath haben sich über den selten in dieser Form herrschenden Transferwahnsinn erneut kritisch geäußert.

Nach dem perfekten Kaka-Deal zu Real Madrid und der bevorstehenden Rekord-Verpflichtung des Portugiesen Ronaldo berichteten englische Medien am Donnerstag übereinstimmend von der 76-Millionen-Euro-Offerte von Chelsea für Bayern Münchens französischen Vize-Weltmeister Ribery: Damit wären für das Top-Trio zusammen 235 Millionen Euro aufgerufen.

"In der aktuellen wirtschaftlichen Situation halte ich solche Summen für unangemessen und für völlig überzogen", sagte Löw dem Fachmagazin "kicker" mit dem Hinweis, dass gerade in Spanien einige Clubs "vor dem Kollaps" stehen. In Deutschland werde dagegen "relativ vernünftig gewirtschaftet". Darin aber liegt für seinen Trainer-Kollegen Magath die Crux - er befürchtet, das zuletzt wenig erfolgreiche Abschneiden der DFB-Teams in der Champions League halte an.

"Gerade in der Champions League findet längst kein fairer sportlicher Wettbewerb mehr statt", befand der Meistermacher des VfL Wolfsburg und künftige Schalke-Coach. "Die Voraussetzungen für die einzelnen Vereine sind in Europa so unterschiedlich geworden, dass man von einem Wettbewerb auf Augenhöhe nicht mehr reden kann." Dabei verwies er auf die in Deutschland deutlich niedrigeren Einnahme-Möglichkeiten bei den Fernseh-Geldern sowie auf die Unterschiede in der Steuergesetzgebung und im Lizenzierungsverfahren.

Nachwuchsförderung statt Mega-Transfers
Statt in Multi-Millionäre in kurzen Hosen - Ronaldo soll in Madrid mit mehr als elf Millionen Euro Gehalt pro Jahr wahrhaft königlich kassieren - empfiehlt Löw, vermehrt perspektivisch zu denken und zu investieren. "Generell sollten wir in der Bundesliga verstärkt auf junge Spieler setzen, in der Liga gibt es zu viele durchschnittliche Ausländer." Als Beweis dafür, dass in die Jugendförderung gestecktes Geld "immer gut angelegt" sei, nannte Löw das leuchtende Beispiel Nationalspieler Mario Gomez: Für sein Eigengewächs streicht der VfB Stuttgart rund 30 Millionen Euro Ablöse vom FC Bayern ein.

Die Münchner könnten sich nun durch den Verkauf ihres Mittelfeld-Asses Ribery schadlos halten. Laut "Times Online" und weiterer Insel-Medien will Chelsea für den 26-Jährigen tief in die Tasche greifen. Und auch in Madrid herrscht weiter Top-Interesse an Ribery: "Unser Ziel ist es, dass er zu Real kommt", bestätigte Zinedine Zidane. Der Franzose ist engster Berater von Clubchef Florentino Perez, der angeblich 300 Millionen Euro für neue Stars locker machen will. Aus diesem Super-Budget könnte der finanzstarke Bauunternehmer auch die vom finanzmaroden Valencia auf 50 Mio. erhöhte Forderung für EM-Torschützenkönig David Villa noch stemmen.
(apa/red)

18.6.2009 15:39