Sonntag, 21. Juni 2009

Red Bull ist endgültig in der obersten Liga:
Rechnung beim Austro-Rennstall geht auf

  • "Land der Berge" ertönte statt "God save the Queen"
  • Super-Hirn Newey verpasste RB5 Generalüberholung

Da war sie also, die österreichische Bundeshymne. Zum ersten Mal seit Gerhard Bergers Triumph im Juli 1997 in Hockenheim war sie in der Formel 1 zu hören - ausgerechnet in England, und das für einen Deutschen. Sebastian Vettel bescherte Red Bull Racing in Silverstone den zweiten Sieg seiner Geschichte. Beim ersten Triumph Mitte April in China war aus Versehen noch "God Save the Queen" aus den Lautsprechern erklungen.

Dabei ist Red Bull zumindest auf dem Papier ein österreichisches Team. Die Lizenz kommt aus Österreich, ebenso das nötige Kleingeld - jenes von Energydrink-Milliardär Dietrich Mateschitz. Der 65-Jährige hatte sich trotz der strukturellen Krise der Formel 1 kurzfristig gegen eine Reise nach Silverstone entschieden. Der Privatjet war bereits auf Stand-by gestanden. Stattdessen verfolgte Mateschitz den Triumph in seiner Salzburger Wahl-Heimat.

Den Pokal für den siegreichen Konstrukteur nahm Technikchef Adrian Newey entgegen - und holte sich eine besonders intensive Sektdusche ab. Vettel und der zweitplatzierte Mark Webber wissen, bei wem sie sich für ihr Superauto bedanken müssen. Zahlreiche neue Teile hatten den RB5 in Silverstone praktisch unschlagbar gemacht. Newey hat unter anderem einen neuen Diffusor gebaut, der wie ein Staatsgeheimnis vor der Konkurrenz gehütet wird.

Kostspieliges Super-Hirn
Zu Beginn der Saison hatte noch Unklarheit über das Reglement für das aerodynamisch so entscheidende Element am Ende des Unterbodens geherrscht. Red Bull hatte auf die sichere Variante gesetzt und auf einen Doppel-Diffusor verzichtet. Mittlerweile soll sogar ein Drei-oder Vierfach-Diffusor eingesetzt werden. Die Ideen von Newey lässt sich Red Bull einiges kosten. Das Superhirn soll jährlich neun Millionen Dollar (6,46 Mio. Euro) verdienen.

Sein gesamtes Formel-1-Engagement - inklusive des Zweitteams Toro Rosso - kostet Mateschitz mehr als 250 Mio. Euro pro Jahr. Eine Investition, die sich mit eintretendem Erfolg zu rechnen beginnt. Der Red-Bull-Boss hatte die Königsklasse des Motorsports stets als "sinnvollstes und effizientestes Mittel" für die weltweite Förderung des Bekanntheitsgrades der Marke bezeichnet. "Wenn man entsprechende Erfolge erzielt", betonte Mateschitz.

Mit Vettel haben die Bullen nun auch einen echten Star in ihren Reihen, für viele Experten einen kommenden Weltmeister. "Er ist ein Kronjuwel", streute Newey dem 21-Jährigen Rosen. Vettel stammt aus dem Juniorprogramm von Red Bull, wird seit zehn Jahren vom Konzern gefördert. Als Motorsport-Konsulent ist Mateschitz-Freund Helmut Marko für das Programm verantwortlich, zieht aber auch im Formel-1-Team im Hintergrund die Fäden.

Motivierte Mitarbeiter
Die englischen Partner um Teamchef Christian Horner haben sich für die österreichischen Geldgeber als goldrichtig erwiesen - wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten. Sowohl Vettel (39) als auch Webber (35,5) haben nach acht Rennen schon mehr WM-Punkte als das gesamte Team im Vorjahr (29). "Einige haben schwierige Zeiten hinter sich. Aber alle Mitarbeiter sind unglaublich motiviert, sie machen Nachtschichten", erklärte Webber. "Diese Erfolge gehören ihnen."

Daher war auch ein erheblicher Teil der knapp 550 Personen starken Belegschaft - viele davon aus dem nur 30 Kilometer entfernten Werk in Milton Keynes - nach Silverstone gereist. Feiern mussten sie ihren Heimsieg aber mit der österreichischen Bundeshymne.
(apa/red)

21.6.2009 18:10
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts