3.500 Kerzen sollen Erleuchtung bringen:
Lichterkette gegen FPÖ-Hetze & Rechtsruck
- Organisatorinnen: "Wir waren verdammt wütend"
- Auch Politik marschiert mit. Mittelfinger für Strache
Zwischenfall: Demonstranten treffen auf Martin Graf
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3.500 Kerzen sollen die Erleuchtung in Österreich bringen: Genau diese Anzahl an Menschen ist in Wien für Zivilcourage, kulturelle Vielfalt und Menschenwürde auf die Straßen gegangen. Anlass für die Lichterkette war die "Hetze" der FPÖ im jüngsten EU-Wahlkampf sowie der Rechtsruck in diesem Land allgemein.
"Wir waren verdammt wütend", erklärte die Studentin Romy Grasgruber, eine der beiden Organisatorinnen der Veranstaltung. Die Wut habe sich vor allem gegen die "Hetze" der FPÖ im EU-Wahlkampf, aber auch gegen den Rechtsruck in Österreich allgemein gerichtet. "Wir sind hier, um ein Zeichen zu setzen, dass Hetze, Diskriminierung und Ausgrenzung nicht normal sind", so Grasgruber. "Uns geht es um Zivilcourage, Vielfalt und Menschenwürde", meinte die zweite Organisatorin Maria Sofaly.
Viele waren dem Aufruf der beiden Studentinnen im Internet, mit Fackeln eine Lichterkette um das Parlament zu ziehen, gefolgt. Nachdem gegen 19.00 Uhr nur etwa 500 Menschen vor das Parlament gekommen waren, musste die Ringstraße schon knapp eine Stunde später gesperrt werden. "Weder die Veranstalter noch wir haben mit so vielen Teilnehmern gerechnet", meinte der Einsatzleiter der Polizei.
Auch die Politik marschiert mit
Letztendlich fanden sich nach Angaben der Polizei über 3.500 Menschen vor dem Parlament ein, wobei vom Punk bis zum Anzugträger und vom Kleinkind bis zur Seniorin alles vertreten war. Unter die Demonstranten mischten sich auch einige Abgeordnete der Grünen, wie etwa Bundessprecherin Eva Glawischnig oder die zukünftige Grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek. Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas war unter den Anwesenden.
Mittelfinger für Strache
Neben Ansprachen gegen Anti-Islamismus und Antisemitismus war auch der umstrittene Dritte Nationalratspräsident Martin Graf Thema. Der Schriftsteller Doron Rabinovici etwa bezeichnete Graf als "Skandal" und forderte ihn zum Rücktritt auf, wofür er lautstarken Applaus erntete. "Wir haben nicht das Recht, uns an einen Parlamentspräsidenten zu gewöhnen, der am Neonazismus anstreift." Davor, dass "die Rechten" auch "Strohköpfe" in der ÖVP und der SPÖ hätten, warnte hingegen Schriftsteller Robert Menasse in seiner Rede. Der Kabarettist Werner Brix trat auf die Bühne, um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache "und seinen Gefährten" mit seiner eigenen "Christenhand" den Mittelfinger zu zeigen.
Zwischenfall mit Graf
Laut Polizei verlief die Demonstration friedlich. Es sei lediglich zu einem kleinen Zwischenfall gekommen: Graf sei aus einem Nebengebäude erschienen, worauf sich ihm einige Demonstranten in den Weg gestellt hätten. Aber auch diese Situation sei ohne Konflikte gelöst worden, meinte der Einsatzleiter der Polizei. Gegen 22.30 Uhr löste sich die Veranstaltung langsam auf.
(apa/red)
