"Nicht genügend" für unsere Lehrkräfte? Direktoren beklagen fehlende Qualifikation
- OECD-Studie: Pädagogen erhalten zu wenig Feedback
- Anreize zur Belohnung sollen geschaffen werden
Ihre Meinung: Sind unsere Lehrer "unterrichtsfit"?

·Österreichs Schüler kommen Staat teuer
Kosten liegen um 2.000 Euro über EU-Schnitt
·Die Ergebnisse der Studie in Kurzform
Zu wenig Evaluierungen und kaum Feedback
·LH Gabi Burgstaller
sieht Handlungsbedarf
Kein Platz für Ideologien in der Bildungspolitik
·GRAFIK: So viel kosten unsere Schüler
Ein Volksschüler kommt auf 5.000 Euro im Jahr
Österreichs Schuldirektoren klagen über einen Mangel an qualifizierten Lehrern, die Pädagogen bekommen zu wenig Feedback und Anerkennung und die Leistungen der Schulen werden kaum evaluiert. Das sind Ergebnisse der veröffentlichten OECD-Lehrerstudie TALIS (Teaching and Learning International Survey), bei der Lehrer und Schuldirektoren an AHS-Unterstufen und Hauptschulen in 23 Ländern, darunter Österreich, über ihre Arbeitsbedingungen und das Lernumfeld befragt wurden.
Maßgebliche Faktoren, durch die der Unterricht in Österreich gestört wird, sind nach Angaben der Pädagogen ein "Mangel an qualifizierten Lehrern" (48,8 Prozent der befragten Lehrer arbeiten an Schulen, deren Direktor diesen Mangel als "sehr" bzw. "bis zu einem bestimmten Ausmaß" als den Unterricht störend einstufen, im internationalen Schnitt sind es 37,5 Prozent) sowie ein "Mangel an unterstützendem Lehrpersonal" (68,7 Prozent der Lehrer in Österreich, TALIS-Schnitt: 47,5 Prozent) und ein "Mangel an sonstigem unterstützendem Personal" (Österreich: 77,5 Prozent, TALIS-Schnitt: 45,9 Prozent).
Störfaktor Schüler
Außerdem stören Österreichs Schüler während des Unterrichts (61,4 Prozent, TALIS-Schnitt: 60,2 Prozent), fallen durch Fluchen (44,6 Prozent, TALIS-Schnitt: 36,5 Prozent) und Vandalismus auf (30,8 Prozent, TALIS-Schnitt: 27,1 Prozent) und behindern so ebenfalls die Lehrer beim Unterrichten. Dennoch gibt es nach Ansicht der österreichischen Lehrer insgesamt ein positives disziplinäres Klima in den Klassen, verglichen mit den anderen teilnehmenden Staaten.
Zu wenig Feedback für Lehrer
Viele Lehrer in Österreich erhalten auch nur wenig Feedback und Wertschätzung: Vom Direktor bekommt knapp ein Fünftel der Pädagogen nach eigenen Angaben nie derartige Rückmeldungen, ein weiteres Fünftel weniger als einmal in zwei Jahren, ein weiteres Fünftel einmal pro Jahr. Noch seltener ist ein solches Feedback von Kollegen oder externem Personal wie Schulinspektoren. Im internationalen Vergleich sehr gering ausgeprägt sind auch leistungsbezogene Anreize für Lehrer in Österreich: So gibt es nach Anerkennung von Leistungen praktisch keine Veränderung in der Bezahlung (Österreich: 1,1 Prozent, TALIS-Schnitt: 9,1 Prozent) oder Beförderungen (Österreich: 4,7 Prozent, TALIS-Schnitt: 16,2 Prozent).
Anreize zur Belohnung schaffen
Für die OECD ist die "wichtigste Botschaft der Studie", dass im Bildungssystem effektivere Anreize geschaffen werden müssen, die gute Arbeit von Lehrern zu belohnen. In vielen Staaten gebe es keinen Zusammenhang zwischen der Beurteilung der Lehrleistung und der Vergütung bzw. der Anerkennung, die Lehrkräfte erhalten. "Gute Lehrerinnen und Lehrer sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungspolitik. Ein Bildungssystem kann nicht besser sein, als die Lehrkräfte, die in ihm arbeiten", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie in Paris.
An TALIS haben 23 Länder teilgenommen, neben Österreich u.a. noch Austrialien, Belgien (flämischer Teil), Dänemark, Ungarn, Irland, Italien, Norwegen, Polen, Spanien und die Türkei, Staaten wie Deutschland, Schweiz oder Finnland waren nicht dabei. In Österreich wurden 2008 an 248 Schulen die Direktoren und rund 4.300 Lehrer befragt. (apa/red)
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