Dienstag, 16. Juni 2009

Heimische Schüler zählen zu den teuersten in Europa: Um 2.000 Euro über Durchschnitt

  • Hochschulen ernten größtes Stück vom Budgetkuchen
  • Bildungsausgaben liegen bei rund 8.000 Euro pro Kopf

Österreichs Schüler und Studierende zählen zu den teuersten in Europa: Die öffentlichen Bildungsausgaben pro Schüler bzw. Student in Österreich liegen in allen Bildungsebenen deutlich über dem Durchschnitt der EU-25, wie aus dem ersten "Nationalen Bildungsbericht" (NBB) hervorgeht, der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied dem Ministerrat vorgelegt wurde.

Mit Ausgaben von knapp über 8.000 Euro (kaufkraftbereinigt) pro Schüler bzw. Student kann nur Dänemark mithalten. Der EU-25-Schnitt liegt bei nicht einmal 6.000 Euro. Höher als in Österreich sind die Pro-Kopf-Ausgaben laut NBB nur in Luxemburg und den Nicht-EU-Ländern Norwegen und USA.

Unis brauchen am meisten Geld
Zwischen 1995 und 2005 sind die öffentlichen Pro-Kopf-Ausgaben im Tertiärbereich (Unis, Fachhochschulen, etc.) um fast 45 Prozent und "damit mit Abstand am stärksten im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen angestiegen", heißt es im NBB. In Summe haben sich die öffentlichen Aufwendungen für die Hochschulen seit 1995 um ein Drittel erhöht. Mit rund 27 Prozent entfällt bereits der größte Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben auf den Tertiärbereich.

An zweiter Stelle folgt der untere Sekundarbereich (Hauptschule, AHS-Unterstufe) mit 24 Prozent. Für den oberen Sekundarbereich (AHS-Oberstufe, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS) werden 22 Prozent der Bildungsausgaben aufgewendet, auf den Primarbereich (Volksschule) 19 Prozent und den vorschulischen Elementarbereich sieben Prozent.

Acht Mrd. pro Jahr in Schulen investiert
Für das Schulwesen werden laut Bericht acht Mrd. Euro pro Jahr aufgewendet, das sind zehn Prozent der gesamten Staatsausgaben bzw. fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Über alle Schulen gerechnet ergibt das Pro-Kopf-Ausgaben von 7.051 Euro (2006).

Bildungsforscher orten Defizite
Die Bildungsforscher um Ferdinand Eder orten "offensichtliche Defizite" bei der Vergleichbarkeit, die Noten würden sich - entgegen der gesetzlichen Vorgaben - an der Leistung der Klasse und nicht an davon unabhängigen Standards orientieren, Mitarbeit fließe zu wenig in die Beurteilung ein und "vor allem auf den unteren Ebenen des Schulsystems", wo sich die weitere Bildungskarriere entscheidet, hätten die Noten nur "geringe Prognosekraft".

Auch die Aussagekraft der Noten stellen die Autoren in Frage: Internationale Leistungsstudien hätten "außerordentlich große" Leistungsunterschiede von Schülern mit derselben Note gezeigt. Mitschuld an diesen Mängeln geben Eder, Georg Hans Neuweg und Josef Thonhauser den schwammigen Rechtsvorschriften zur Benotung.
(apa/red)

16.6.2009 14:05