Mittwoch, 10. Juni 2009

Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft:
BIP im Vergleich zum Vorjahr 3,5% geringer

  • Unternehmer stiegen kräftig auf "Investitionsbremse"
  • Niedrige Inflation stärkt den Konsum der Haushalte

Die schlechten Wirtschaftsaussichten haben die Unternehmer im ersten Quartal 2009 kräftig auf die Investitionsbremse treten lassen, was zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,5 Prozent geführt hat. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seine ursprüngliche BIP-Schnellschätzung für das erste Quartal von minus 3,6 Prozent unwesentlich verbessert. Gegenüber dem vierten Quartal 2008 sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,6 Prozent.

Während EU-Kommission, Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und OECD für das Gesamtjahr mittlerweile von einer Schrumpfung von mehr als 4 Prozent ausgehen, hält das Wirtschaftsforschungsinstitut weiterhin an seiner Frühjahrsprognose (minus 2,2 Prozent) fest. Für Ende Juni wird die Sommer-Prognose erwartet.

Wie auch in anderen Ländern hätten sich auch in Österreich die Erwartungen der Unternehmen in der Sachgüterproduktion in den letzten Monaten "etwas verbessert", streut das Institut am Mittwoch vorsichtigen Optimismus. Ab Mai rechnen die Wirtschaftsforscher mit ersten positiven Effekten aus der Steuerreform.

Industrie und Zulieferer stark betroffen
Der Rückgang im ersten Quartal "konzentrierte sich auf Exporte sowie Investitionen und damit auf die Industrie und ihre Zulieferbetriebe", Auslöser "war ein massiver Exporteinbruch, dem in vielen betroffenen Unternehmen ein Investitionsstopp folgte". Die Investitionen in Maschinen und Anlagen (Ausrüstungsinvestitionen) sind in den ersten drei Monaten 2009 im Jahresabstand um 10,8 Prozent zurückgegangen, die Investitionen in Bauten um "nur" 7,5 Prozent. Die Sachgütererzeugung (Industrie/Gewerbe und Bau) verringerte sich um 11,7, die Warenexporte brachen um 22,5 Prozent ein.

Noch vergleichsweise gut gehalten haben sich zu Jahresanfang die kleinen und mittleren Unternehmen, die Dienstleister und - mit Abstrichen - der Tourismus.

Niedrige Inflation stärkt Konsum
Weil die niedrige Inflation die Kaufkraft stärkt, "wirkt der private Konsum derzeit stabilisierend", die privaten Haushalte haben im Jahresabstand um "nur" 1,2 Prozent weniger ausgegeben. Auch der Staat hat laut den Wifo-Zahlen moderat gegengesteuert: + 2,8 Prozent mehr öffentliche Konsumausgaben.

Das Wifo rechnet mit einem weiteren Rückgang der Teuerungsrate (österreichischer April-Wert: +0,7 Prozent): "Für diese Entwicklung war vornehmlich der Rückgang der Treibstoffpreise maßgebend. Obwohl die Rohölpreise kräftig anzogen, liegen sie noch immer unter dem Vorjahresniveau." Das könnte sich freilich in den Sommermonaten ändern. Im Juli 2008 hatte der Zusammenbruch der Ölpreise von 147 auf unter 40 Dollar pro Barrel begonnen.

(apa/red)

10.6.2009 12:01