Montag, 8. Juni 2009

Luftfahrt-Branche im steilen Sturzflug: 100.000 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe

  • Weltverband: 25.000 Stellen in Europa gefährdet
  • Airline-Chefs befürchten weiteren Passagierrückgang

Mit der weltweiten Wirtschaftskrise könnten in der Luftfahrtindustrie nach Schätzungen des Luftfahrtweltverbandes IATA 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Das sagte der Chefökonom des Verbandes, Brian Pearce, bei der Jahreshauptversammlung in Kuala Lumpur. "Etwa 100.000 Jobs sind in Gefahr, wenn die Konjunktur sich nicht erholt", sagte Pearce.

Die US-Airlines hätten im vergangenen Jahr bereits 30.000 Arbeitsplätze abgebaut. Deshalb kämen Restrukturierungen wahrscheinlich vor allem auf Europa und Asien zu.

In Europa sind 25.000 Jobs gefährdet
Etwa 25.000 Arbeitsplätze könnten allein in Europa verschwinden, meinte Pearce. IATA hatte zuvor seine Verlustprognose drastisch verschärft: Der Verband rechnet jetzt mit Verlusten weltweit von neun Milliarden Dollar (6,35 Mrd. Euro) in diesem Jahr, fast doppelt so viel, wie er erst Ende März vorausgesehen hatte.

Nachfrage könnte weiter sinken
Die Nachfrage nach Flügen könnte weiter sinken, sagten Airline-Chefs. Eine deutliche Erholung noch in diesem Jahr bezeichneten die Branchenvertreter als unwahrscheinlich. Alle Fluglinien leiden derzeit unter den Folgen der Wirtschaftskrise, da Unternehmen weniger Waren transportieren und Geschäftsreisen streichen.

Die Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss rechnet nicht mit einem schellen Aufschwung im Passagier- und Frachtgeschäft. Bei der Frachttochter Cargo habe sich die Nachfrage auf niedriger Basis stabilisiert, so dass eine deutliche Erholung in diesem Jahr unwahrscheinlich sei, sagte Swiss-Chef Christoph Franz. Gleiches gelte für Buchungen in der First und Business Class, sagte Franz.

Nun drohten zudem neue Belastungen durch den wieder anziehenden Ölpreis, warnte Franz. "Das ist ein großes Risiko". Der Preis für ein Fass US-Leichtöl hatte am Freitag kurzzeitig die 70-Dollar-Marke geknackt und kostete damit so viel wie seit sieben Monaten nicht mehr. (apa/red)

8.6.2009 10:23