Gaddafis Besuch in Italien wird zur Farce:
Opposition blockiert den Zutritt zum Senat
- Proteste gegen Gaddafis Haltung zu Menschenrechten
- Berlusconi fühlt "tiefe Freundschaft" zu den Libyer
·Gaddafi macht sich in
Italien keine Freunde
Libyer provozierte bei
einem Staatsbesuch
·Italien entschädigt Libyen für Kolonialzeit
3,4 Milliarden Euro in den nächsten 25 Jahren

Der viertägige Besuch des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi in Rom sorgt für politische Spannungen. Ein geplanter Besuch Gaddafis im römischen Senat, in dem der libysche Revolutionsführer eine Rede halten wollte, musste wegen heftiger Proteste der Oppositionsparteien abgesagt werden. Die Parlamentarier der Opposition hatten mit heftigen Protestaktionen während Gaddafis Besuch im Senat gedroht. "Gaddafi respektiert weder die Demokratie noch die Menschenrechte. Es gibt keinen Grund, warum er im Senat eine Ansprache halten sollte", sagte der Oppositionsparlamentarier Enrico Morando.
Die Parlamentarier der oppositionellen Demokratische Partei (PD) hatten auch damit gedroht, den Senatssaal während der Ansprache des libyschen Staatschefs zu verlassen. Um einen diplomatischen Zwischenfall zu vermeiden, beschloss Senatspräsident Renato Schifani, Gaddafi nicht im eigentlichen Sitz des Senats im Palazzo Madama, sondern im nahe liegenden, ebenfalls zu den Senatsgebäuden zählenden Palazzo Giustiniani zu treffen.
Studentenproteste
Studenten der römischen Universität La Sapienza warteten auf Gaddafi, der dort zu einer Debatte geladen war. Auch sie planten Proteste gegen den libyschen Staatschef, der am Nachmittag noch dem römischen Bürgermeister Gianni Alemanno einen Besuch abstattete. Am Freitag will Gaddafi Spitzenvertreter des Industriellenverbands Confindustria treffen.
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, der sich mit Gaddafi im August über ein Abkommen für die Zahlung an Libyen einer Entschädigung für die Kolonialzeit von 1911 bis 1941 geeinigt hatte, kritisierte das Verhalten der Opposition als unannehmbar. Er sprach von einer "echten und tiefen Freundschaft" zum libyschen Staatschef. Dieser sagte in Rom, eine neue Ära in den Beziehungen zu der früheren Kolonialmacht seines Landes habe begonnen. Im Interesse beider Staaten seien Freundschaft, Frieden, Stabilität und gute Handelsbeziehungen wichtig, erklärte Gaddafi nach Gesprächen mit Berlusconi in Rom.
(apa/red)
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