Mittwoch, 10. Juni 2009

Schutzgeld sogar für die Friedhofsblumen:
Italiens Polizei nimmt Camorra-Klan hopp

  • 32 Camorra-Mitglieder bei Neapel festgenommen
  • Gesamte Stadt Portici mit Geldeinnahmen überzogen

Italienische Sondereinheiten haben bei Neapel einen Mafia-Clan zerschlagen, der mit einem abgestuften "Schutzgeld"-System die gesamte Stadt Portici überzogen hatte: Wer etwa Friedhofsblumen verkaufte, der musste dem Vollaro-Clan 250 Euro "pizzo" pro Monat hinblättern, die Geschäfte an den Hauptstraßen bezahlten zwischen 500 und 2.000 Euro. Auf diese ausgeklügelte Erpressungsmaschine der Camorra sind die Carabinieri gestoßen. Sie zerschlugen in der Nacht gemeinsam mit Militäreinheiten den gefürchteten Clan und nahmen 32 mutmaßliche Mitglieder fest, berichteten italienische Medien.

Selbst die fliegenden Straßenhändler kamen nicht darum herum, in der Woche 30 bis 40 Euro "Schutzgeld" zu zahlen, wollten sie ihren Geschäften in Ruhe nachgehen. Auch wer sein Boot im Granatello-Hafen der Stadt vertäut hatte, war aufgefordert, ein "Extra" bei der Mafia abzuliefern. Die Camorra hatte drei feste Tage im Jahr, an denen sie nochmals auf "Spendenjagd" ging, um etwa inhaftierten Mafiosi damit "Geschenke" zu machen - zu Weihnachten, Ostern und Ferragosto (Mariä Himmelfahrt). Wer nicht zahlte, den trafen Anschläge. So erging es in Portici einem bekannten Restaurant, das daraufhin schließen musste.

(apa/red)

10.6.2009 10:41