Wahldebakel setzt Faymann unter Druck:
Ex-EU-Mandatar Bösch fordert gar Rücktritt
- Steirische SPÖ: "Hat die Wahl offenbar verkauft"
- Kanzler sieht Partei aber auf richtigem Europakurs
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GRAFIK: Das vorläufige Endergebnis des 7. Juni
23,8 Prozent - Tiefer ist die SPÖ noch nie gesunken. Nicht verwunderlich, dass nach einem solchen Wahldebakel auch der Parteichef ins Visier genommen wird. Der steirische LHStv. Kurt Flecker wirft dem Bundeskanzler vor, den Urnengang "offenbar verkauft" zu haben. Und der abgewählte EU-Mandatar Herbert Bösch fordert gar seinen Rücktritt.
"Dieser 'Kronen-Zeitungs'-Kurs des Werner Faymann ist ein falscher, er wird uns in Katastrophen führen". Dieses Jahr habe die SPÖ bisher ausschließlich Wahlen verloren. "Wir müssen diesen Kurs ändern und ich glaube nicht, dass wir mit Werner Faymann diesen Kurs ändern können. Wir werden diesen Kurs ohne Werner Faymann ändern müssen", so Bösch gegenüber dem ORF-Radio Ö1, der nur auf Platz sieben auf der SPÖ-Liste gereiht wurde.
"Wahl offenbar verkauft"
Flecker ging am Abend des EU-Wahlsonntags mit seinem Bundesparteivorsitzenden und Kanzler Werner Faymann hart ins Gericht: "Der Bundesparteivorsitzende hat diese Wahl offenbar verkauft. Wie kann man sich sonst erklären, dass die SPÖ auf Zuruf der 'Kronenzeitung' eine neue Linie, eher eine Nicht-Linie, eingeht, dann ein liebloser Wahlkampf geführt wird, und auf der anderen Seite die 'Krone', die ja offenbar eine sehr gute Beziehung mit dem Bundesparteivorsitzenden hat, den Vorabdruck eines Buchs eines anderen Kandidaten bringt", so Flecker gegenüber mit der "Kleinen Zeitung".
"Mit einer Nicht-Linie kann man keinen Wahlkampf gewinnen, gefehlt hat, dass sich die Spitze der Partei ganz eindeutig zu Europa bekennt", stieß der steirische SPÖ-Vorsitzende Landeshauptmann Franz Voves in der Kritik am EU-Wahl-Ergebnis nach. Dass sich Parteichef Bundeskanzler Werner Faymann am Wahlabend nicht persönlich geäußert hat, goutierte Voves nicht: "Gerade in der Niederlage muss man als Captain zur Mannschaft stehen." Das sage er als alter Sportler.
Faymann: Auf richtigem Weg
Der kritisierte Werner Faymann sieht die Sozialdemokraten trotz des Wahldebakels auf dem richtigen Weg. Den kritischen Europakurs für ein soziales, bürgernahes Europa habe man nur zu kurz darstellen können, es sei aber der richtige. Denn zu lange habe es kein klares Bild gegeben, was die SPÖ in Europa bewirke. An den von Bösch geforderten Rücktritt denkt der Bundeskanzler nicht, wie er im ORF-Radio betonte.
Faymann forderte seine Partei nun auf, eine gemeinsame Haltung einzunehmen. Man habe gemeinsam gewonnen und gemeinsam verloren. Wichtig sei nun den Blick nach vorne zu wenden. Organisatorische Schwachstellen müssten beseitigt und die SPÖ klarer und deutlicher werden, blieb der SPÖ-Vorsitzende vage.
(apa/red)
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