Sonntag, 7. Juni 2009

Chinesischer Drache als Krisengewinner?
US-Anleger Soros sieht steigenden Einfluss

  • Reich der Mitte wird sich schneller als Westen erholen
  • Yuan könnte zur neuen Weltleitwährung aufsteigen

China wird nach Einschätzung von US-Großinvestor George Soros im Zuge der internationalen Finanzkrise zunehmend an Macht und Einfluss in der Welt gewinnen. Die Isolierung des chinesischen Bankensystems und eine massive staatliche Kontrolle dürften zu einer relativ schnellen Konjunkturerholung in der Volksrepublik führen, sagte Multimilliardär Soros am Sonntag vor Zuhörern an der Fudan-Universität in Shanghai.

Chinas Bankensystem sei aufgrund seiner Abkapselung von der restlichen Welt in einer besseren Verfassung als das internationale Finanzsystem. Chinas umfangreiche Kapitalkontrollen hatten dazu beigetragen, die Finanzinstitute des asiatischen Landes vor dem Schlimmsten der globalen Bankenkrise zu bewahren. "Der Einfluss des Staates ist auch größer. Wenn die Regierung sagt "leihen", geben die Banken Kredite", fügte Soros hinzu. "Dies versetzt China ist eine bessere Lage, sich von der Rezession zu erholen". Die Kreditvergabe chinesischer Banken kletterte im ersten Quartal auf Rekordhöhen. Dies löste unter Experten Optimismus über eine baldige Erholung in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aus.

"China wird eine positive Kraft in der Welt sein, und deshalb werden seine Macht und sein Einfluss zunehmen. Ich persönlich glaube, dass Chinas Einfluss schneller wachsen wird als es viele Leute derzeit erwarten", ergänzte Soros. Zudem habe das rund 420 Milliarden Euro schwere Konjunkturprogramm die Konjunktur gestützt.

Yuan als neue Leitwährung?
Russland hält sogar einen Aufstieg des chinesischen Yuan zu einer neuen Weltleitwährung innerhalb von zehn Jahren für möglich. Zunächst müsse China seine Wirtschaft liberalisieren und den Yuan voll konvertibel machen, sagte der russische Finanzminister Alexej Kudrin am Samstag auf einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg. "Das kann zehn Jahre dauern, aber dann gäbe es eine hohe Nachfrage nach Yuan, was der schnellste Weg zur Bildung einer neuen Weltleitwährung wäre. Darüber sollte China nachdenken."

Mit seinen Worten heizt Kudrin die Diskussion um eine neue Weltleitwährung erneut an. Russland fordert bereits seit längerem eine Alternative zur US-Währung. China hatte die Debatte um die Ablösung des Dollar als dominierende Reservewährung angestoßen und eine verstärkte Nutzung der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgeschlagen. Experten zufolge strebt China nicht wirklich eine Ablösung des Dollar als Leitwährung an. Vielmehr solle der politische Druck auf Amerika erhöht werden, damit die USA nicht weiter auf eine Aufwertung des Yuan dringen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte jüngst mit Blick auf die Diskussion um eine Neubewertung von Währungen gesagt, dass es seiner Ansicht nach keine gravierenden Verwerfungen im Währungsbereich geben werde. Aber gewisse Fragen der Währungsreserven müssten neu diskutiert werden. So werde etwa die chinesische Währung bedeutender.
(apa/red)

7.6.2009 16:16