"Ein Zustand der Realitätsverweigerung"?
Androsch gibt Politik Schuld für Entwicklung
- AT&S-Aufsichtsratschef rechtfertigt Massenentlassung
- Standort hat laut Androsch viel Schaden genommen

·AT&S: 300 Arbeiter
verlieren ihren Job
Unternehmen wandert komplett nach Asien ab
·Der Kampf um Jobs spitzt sich weiter zu
Zahl der Arbeitslosen um 30 Prozent höher als 2008
Ein ehemaliger Finanzminister teilt kräftig aus: Hannes Androsch, Aufsichtsratschef und Miteigentümer des Leiterplattenherstellers AT&S, gibt der Wirtschaftspolitik die Schuld dafür, dass die Produktion nach Shanghai verlagert wird und 300 Mitarbeiter in Österreich ihren Job verlieren. Bis heute herrsche bei "vielen wirtschaftspolitischen Akteuren" ein "Zustand der Realitätsverweigerung", sagte er in der "ZiB 2". Es sei "zu spät zu wenig" gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise getan und der Standort in Österreich über Jahre verschlechtert worden.
Er warne seit zwei Jahren vor der konjunkturellen Entwicklung und seit Jahren vor der strukturellen, "das ist seit Jahren von allen Akteuren ignoriert worden", sagte Androsch.
Auf Kritik daran, dass das Unternehmen Arbeitsplätze nach Fernost verlagert und Arbeitsplätze in Österreich streicht, ging Androsch nicht wirklich ein. Er meinte nur, dass es sich nicht um eine Verlagerung handle, weil AT&S auch in China und Indien Reduktionen habe - und im übrigen gehe es "nicht um Profitmaximierung, sondern um Verlustminimierung".
Keine Bestandsgarantie
An eine Bestandsgarantie für die Standorte Leoben-Hinterberg und Fehring, wie sie der steirische AK-Präsident Walter Rotschädl verlangte, denkt Androsch nicht im geringsten. "Ja, wenn er mir eine Verlustabdeckungsgarantie gibt", antwortete er sarkastisch. Und: Niemand könne in einer so unsicheren Zeit Garantien geben.
Konkrete Forderungen, was zu ändern wäre, erhob Androsch nicht. Es gebe "hundert Gründe", dass der Standort Österreich schlechter geworden sei - da gehe es um "alle Kosten" von den öffentlichen Dienstleistungen bis zur Energie, aber auch um zu geringe Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Auch die Zukunft sieht Androsch düster: "Wir sind nicht mehr reformierbar und daher nicht modernisierbar."
(apa/red)

