Freitag, 5. Juni 2009

"Ein Zustand der Realitätsverweigerung"?
Androsch gibt Politik Schuld für Entwicklung

  • AT&S-Aufsichtsratschef rechtfertigt Massenentlassung
  • Standort hat laut Androsch viel Schaden genommen

Ein ehemaliger Finanzminister teilt kräftig aus: Hannes Androsch, Aufsichtsratschef und Miteigentümer des Leiterplattenherstellers AT&S, gibt der Wirtschaftspolitik die Schuld dafür, dass die Produktion nach Shanghai verlagert wird und 300 Mitarbeiter in Österreich ihren Job verlieren. Bis heute herrsche bei "vielen wirtschaftspolitischen Akteuren" ein "Zustand der Realitätsverweigerung", sagte er in der "ZiB 2". Es sei "zu spät zu wenig" gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise getan und der Standort in Österreich über Jahre verschlechtert worden.

Er warne seit zwei Jahren vor der konjunkturellen Entwicklung und seit Jahren vor der strukturellen, "das ist seit Jahren von allen Akteuren ignoriert worden", sagte Androsch.

Auf Kritik daran, dass das Unternehmen Arbeitsplätze nach Fernost verlagert und Arbeitsplätze in Österreich streicht, ging Androsch nicht wirklich ein. Er meinte nur, dass es sich nicht um eine Verlagerung handle, weil AT&S auch in China und Indien Reduktionen habe - und im übrigen gehe es "nicht um Profitmaximierung, sondern um Verlustminimierung".

Keine Bestandsgarantie
An eine Bestandsgarantie für die Standorte Leoben-Hinterberg und Fehring, wie sie der steirische AK-Präsident Walter Rotschädl verlangte, denkt Androsch nicht im geringsten. "Ja, wenn er mir eine Verlustabdeckungsgarantie gibt", antwortete er sarkastisch. Und: Niemand könne in einer so unsicheren Zeit Garantien geben.

Konkrete Forderungen, was zu ändern wäre, erhob Androsch nicht. Es gebe "hundert Gründe", dass der Standort Österreich schlechter geworden sei - da gehe es um "alle Kosten" von den öffentlichen Dienstleistungen bis zur Energie, aber auch um zu geringe Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Auch die Zukunft sieht Androsch düster: "Wir sind nicht mehr reformierbar und daher nicht modernisierbar."
(apa/red)

5.6.2009 09:49
grünerHeinrich, 06. 06. '09 14:05
SPÖ-Wirtschaftsberater zeigt wahres Gesicht
Die SPÖ wirbt im EU-Wahlkampf um soziale Gerechtigkeit und ihr offizieller Wirtschaftsberater kickt 2 Tage vor der Wahl 300 Mitarbeiter raus, weils in Shanghai billigere Arbeiter gibt. Diese Scheinheiligkeit ist nicht mehr zum aushalten. Können wir den Roten noch ein Wort glauben, von dem was in Hick-Hack und Zickzack noch so Blödsin an die Oberfläche spült? Ich sage: NEIN!!!
maultier, 05. 06. '09 20:08
kapitalistischer Sozialdemokrat
einmal schmutzige Hände (als Regierungsmitglied)immer
schmutzige Hände........
grünerHeinrich, 06. 06. '09 15:52
Re: kapitalistischer Sozialdemokrat
Und die schmutzigen Finger überall bei der SPÖ drinnen. Damit kitzelt er bestimmt noch den letzten Rest von sozialistischen Werten davon.
Vor den Journalisten immer soziale Gerechtigkeit fordern und dann mit Stiftungsgeldern wahlkämpfen und Arbeitsplätze nach Shanghai verlegen.