Freitag, 5. Juni 2009

General Motors hält an Magnas Offerte fest:
Kalte Schulter für Fiat & Anbieter aus China

  • Fiats Chef Marchionne gibt sich aber kämpferisch
  • Pensionszahlungen & Lizenzgebühren bleiben strittig

General Motors zeigt den Opel-Interessenten Fiat und BAIC die kalte Schulter. Obwohl sich beide Unternehmen weiterhin Hoffnungen auf einen Einstieg bei dem deutschen Autobauer machen, hält GM an der Vereinbarung mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna fest.

Sowohl GM als auch Magna seien "fest entschlossen", bis Juli eine endgültige Einigung über den geplanten Einstieg zu finden und den Verkauf bis September über die Bühne zu bringen, teilte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster am Freitag mit. "Aber auf dem Weg dorthin liegt viel Arbeit vor uns und es könnte noch viel passieren", räumte er ein.

Genährt wird die Hoffnung in China und Italien, bei Opel doch noch zum Zug zu kommen, auch von der deutschen Bundesregierung selbst. Solange mit Magna kein endgültiger Vertrag unterschrieben sei, gebe es die theoretische Möglichkeit, dass andere Interessenten noch verbesserte Angebote vorlegen könnten, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

"Das Interesse ist weiter da"
GM hatte sich mit Magna Ende vergangener Woche auf einen Rahmenvertrag geeinigt. Seitdem erhält Magna tieferen Einblick in die Bücher, während die konkurrierenden Bieter außen vor bleiben. "Das Interesse ist weiter da, es liegt nicht an uns", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Rein technisch sei das Geschäft noch nicht abgewickelt. "Wir werden sehen", gab er sich kämpferisch.

Auch BAIC gibt nicht auf. Um für einen möglichen späteren Einblick in die Opel-Bücher vorbereitet zu sein, habe das Unternehmen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers mandatiert, hieß es.

Pensionsverpflichtungen in der Schwebe
Unklar ist nach deutschen Regierungsangaben etwa noch, wer die rund 4 Mrd. Euro schweren Pensionsverpflichtungen von Opel übernimmt. Magna sieht nach Opel-Angaben darin jedoch keinen Grund, das Geschäft zum Scheitern zu bringen. "Die Pensionsverpflichtungen sind fester Bestandteil der Finanzplanung von Opel und werden aus dem operativen Geschäft abgeführt", sagte ein Opel-Sprecher. Der Bund schließt eine Übernahme der Pensionsverpflichtungen im Zuge des Opel-Verkaufs aus, ebenso wie der Pensionssicherungsverein.

Diskussionsbedarf gibt es auch über den künftigen Marktzugang in Russland. Die dortigen GM-Aktivitäten sind nach den bisherigen Plänen nicht Teil des neuen Opel-Unternehmens. Die künftigen russischen Opel-Partner Sberbank und GAZ, die gemeinsam mit Magna bei Opel einsteigen wollen, dürften aber ein Interesse an zusätzlichen Produktionskapazitäten in dem wichtigen Markt haben.

Einigung über Lizenzzahlungen
Über künftige Lizenzzahlungen hat sich Magna mit der Opel-Mutter bereits weitgehend geeinigt. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge sollen die Gebühren von derzeit 5 Prozent des Umsatzes ab Vertragsabschluss mit Magna bis Ende 2012 auf 3,25 Prozent sinken. Bis Ende 2014 sind Zahlungen von 3,8 Prozent vorgesehen, danach wieder fünf Prozent. Die GM-Gesellschaft GTO finanziere im Gegenzug weiterhin die Entwicklungsarbeit von Opel, sagte ein Sprecher. Sollte GM jedoch nicht mehr dafür aufkommen, sind den Kreisen zufolge auch keine Lizenzzahlungen mehr fällig.

Bedenken, Magna könnte mit einer Opel-Übernahme seinen Kunden Konkurrenz machen, versuchte der Zulieferer auszuräumen. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf sicherte in einem Interview im "Format" zu, er wolle für eine klare Trennung zwischen dem Zuliefer- und dem Autogeschäft sorgen. Ein Problem wäre, wenn technologisches Wissen der Konkurrenz an Opel abfließen oder Magna den Rüsselsheimer Autobauer auf andere Art bevorteilen würde. "Dies wird nicht geschehen", versicherte Wolf. Zuvor hatte Volkswagen als einer der großen Kunden wegen des Wandels von Magna zu einem Autobauer Bedenken angemeldet.
(apa/red)

5.6.2009 15:52