Constantini drückt auf die Euphoriebremse:
Eine Klassemannschaft hätte nicht verloren
- Weiterentwicklung steht über kurzfristigem Erfolg
- Junges ÖFB-Team bewies trotz 0:1 Charakterstärke

·Serbien zittert sich
zu 1:0-Heimerfolg
Bittere Niederlage für
überlegene Österreicher
·Wer überzeugte und wer eher enttäuschte
Die ÖFB-Teamspieler in der NEWS.at-Einzelkritik
·ÖFB-Team machte
in Belgrad gute Figur
Die besten BILDER
vom Spiel gegen Serbien
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Ticket für Südafrika
Auch Australien darf schon für die WM planen
·"Hätten zum Schluss hin ein Tor verdient"
Die REAKTIONEN nach
dem Spiel gegen Serbien
·Das war's dann wohl mit der WM-Quali
Teilnahme ist jetzt nur
noch rechnerisch möglich
Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini hat davor gewarnt, trotz einer ansprechenden Leistung gegen Serbien in Euphorie zu verfallen. "Verloren ist verloren", betonte der 54-jährige Tiroler nach der 0:1-Niederlage beim souveränen Tabellenführer der WM-Qualifikations-Gruppe 7 in Belgrad. "Wenn wir eine Klassemannschaft wären, dann hätten wir dieses Spiel nicht verloren. Das sind wir aber noch nicht."
Noch nicht, denn zumindest der couragierte Auftritt im "Marakana" in Belgrad gab Mut. Mit einem Durchschnittsalter von 24,3 Jahren schickte Constantini erneut ein sehr junges Team aufs Feld, gab zudem den beiden Debütanten Aleksandar Dragovic und Jakob Jantscher eine Chance. Der 18- und der 20-Jährige waren mit die besten Spieler im ÖFB-Team. Lediglich bei den Stürmern wurde Constantinis Wahl - Stefan Maierhofer statt Marc Janko - angezweifelt.
"Die Verantwortung trage sowieso ich. Wenn Dragovic zwei entscheidende Fehler gemacht hätte, bin ich der Hirsch", erklärte Constantini. Das sehe er allerdings nicht als Gefahr, sondern als Herausforderung. "Wenn es gut geht, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, ist sowieso der Trainer schuld. Das ist das Spannende an diesem Job." Einen Job, den Constantini derzeit gut zu erledigen scheint - die Stimmung im Team war trotz der Niederlage positiv.
"Wir haben Vollgas weitergespielt"
Besonders auffallend war die Reaktion auf das frühe 0:1 durch einen Elfmeter von Nenad Milijas (Constantini: "Ein klassisches Eigentor") gewesen. Hätte das Team früher noch auseinanderzufallen gedroht, zeigte es nach der Verjüngungskur ein kollektives Aufbäumen. "Wir haben Vollgas weitergespielt", versicherte Constantini. "Das ist Teil des Spiels. Auf so etwas muss man immer vorbereitet sein, das habe ich auch mit den Spielern besprochen."
Constantini lobte in diesem Zusammenhang die Eigenverantwortung seiner jungen Spieler, von denen sich ausgerechnet Dragovic und Jantscher hervortaten. Ersterer blieb nach dem Spiel in Belgrad, um seine Verwandten zu besuchen, Letzterer rückte auf direktem Weg zum Bundesheer ein, um seinen Präsenzdienst zu absolvieren. Eigentlich hätte er das schon vor einer Woche tun müssen, bekam für sein A-Team-Debüt aber einen Aufschub.
Junge Spieler sollen lernen
Der Teamchef dagegen reist am Mittwoch auf die Färöer, um dort den kommenden Quali-Gegner (5. September) gegen Serbien zu beobachten. Dabei ist die Chance auf die WM 2010 in Südafrika praktisch vorbei. Laut Constantini sei sie auch nie im Vordergrund gestanden. "Wichtig ist, dass die jungen Spieler von solchen Spielen lernen. Internationale Spiele bringen ihnen mehr als die Meisterschaft", meinte der Teamchef.
Auch Ersatzkapitän Paul Scharner forderte kurzfristig eine Abkehr vom ergebnisorientierten Denken. "Die WM ist derzeit nicht unser Ziel, sondern die Weiterentwicklung. Langfristig muss es aber Ziel sein, sich regelmäßig für Großereignisse zu qualifizieren", betonte Scharner. Derzeit werde das Fundament dafür gelegt. "Ob es aber schon für 2012 oder für 2014 etwas wird, das kann man jetzt noch nicht sagen", meinte der 29-Jährige.
Windtner angetan
ÖFB-Präsident Leo Windtner zeigte sich von der Leistung angetan ("In der zweiten Halbzeit hat man nicht gesehen, wer Serbien ist"), stellte die Entwicklung aber ebenfalls über den kurzfristigen Erfolg. "Wir nehmen alles Schritt für Schritt. Wir sind dabei, etwas aufzubauen", erklärte der Oberösterreicher. Welche weitere Rolle Constantini dabei spielen wird, ist offen. Derzeit läuft der Vertrag des Teamchefs nur bis Jahresende.
"Wie lange ich im Amt bin, das ist auch gar nicht so wichtig", meinte Constantini zurückhaltend. Vertragsgespräche mit dem ÖFB seien derzeit noch kein Thema. Stattdessen mokierte sich der Teamchef darüber, dass ihm sein Hang zu jungen Spieler mitunter als Populismus ausgelegt wird. "Das geht mir langsam auf den Geist. Es geht um den österreichischen Fußball und sonst nichts."
(apa/red)
