Die Tormaschine schiebt eine Menge Frust:
Janko über seinen Kurzeinsatz enttäuscht
- "Wenn man so viele Tore schießt, wundert man sich"
- Teamchef argumentiert mit taktischen Überlegungen

So richtig hat er die Welt am Samstag nicht mehr verstanden. Unglaubliche 39 Tore hatte Marc Janko in der abgelaufenen Saison für Fußball-Meister Red Bull Salzburg erzielt. Teamchef Dietmar Constantini hatte ihm bei der 0:1-Niederlage in Serbien dennoch Rapid-Sturmtank Stefan Maierhofer vorgezogen. Der Frust war Janko deutlich anzusehen. "Natürlich bin ich angefressen. Wer wäre das nicht?", fragte der 25-Jährige.
56 Minuten hatte der Stürmerstar, den die Serben am meisten gefürchtet hatten, auf der Bank geschmort. "So schlecht ist meine Saison ja nicht gewesen. Wenn man so viele Tore schießt, dann wundert man sich", betonte Janko. Constantini argumentierte die Aufstellung von Maierhofer neben Wirbelwind Erwin Hoffer nicht nur mit dem 2:1 gegen Rumänien und der Eingespieltheit des Rapid-Sturmduos, sondern auch mit taktischen Überlegungen.
"Fakt ist, dass Stefan (Maierhofer) praktisch im offensiven Mittefeld gespielt hat. Er hat sehr viel gearbeitet. Janko dagegen ist ein anderer Typ, der ganz vorne spielt", erklärte der Teamchef. Mit 2,02-m-Mann Maierhofer wollte er das defensive Mittelfeld der Serben um Superstar Dejan Stankovic beschäftigen, um Druck von der eigenen Defensive zu nehmen. Das erwartete Pressing der Serben war allerdings ohnehin ausgeblieben.
Für Jankos Frust äußerte Constantini Verständnis. "Das ist in Ordnung. Er hat sensationelle Qualitäten, die hat er auch in der Zeit, in der er gespielt hat, gezeigt", meinte der Tiroler, ein persönlicher Freund von Jankos Vater Herbert. Während Maierhofer bereits nach 52 Sekunden eine hundertprozentige Chance ausgelassen hatte, traf Janko nach seiner Einwechslung nach einer Weltklasse-Aktion aus 20 m nur die Querlatte.
Frust runtergeschluckt
Die Szene hätte sich den Ausgleich allemal verdient gehabt. Auch sonst war Janko wenig schuldig geblieben, hatte sich bewegt und war dem Gegner sogar in dessen eigener Hälfte hinterhergerutscht. Der 25-Jährige wollte offenbar seinen Wert für die Mannschaft beweisen. Davor hatte er seinen Frust in der Kabine hinuntergeschluckt. "Ich habe es zwar nicht verstanden, aber ich wollte keine schlechte Stimmung in die Mannschaft bringen", sagte Janko.
Das erste Länderspiel der Ära Constantini, ein 2:1 gegen Rumänien, hatte Janko wegen gesundheitlicher Probleme versäumt. Auf die Besetzung der Stürmer-Positionen im kommenden Testspiel am 12. August gegen Kamerun darf man gespannt sein. Davor fährt auch Janko zwei Wochen in den Urlaub, darf in Salzburg wie alle Teamspieler verspätet ins Training (Beginn 15. Juni) einsteigen.
Viel Zeit zur Entspannung habe er allerdings nicht. "Ich muss mich ja noch viel mehr verbessern", meinte Janko. "Vielleicht bin ich dann auch irgendwann einmal gut genug für die Startelf." Der Unterton klang nicht nur sarkastisch, sondern auch schwer enttäuscht.
(apa/red)
