Freitag, 5. Juni 2009

Die Tennis-Sensation steht im Paris-Finale:
Söderling besiegt Gonzalez in fünf Sätzen

  • 24-Jähriger hatte zuvor Nadal aus Turnier geworfen
  • Schwede zuvor nie über 3. Runde hinausgekommen

Der Schwede Robin Söderling hat ausgerechnet bei den French Open sein erstes Tennis-Finale auf Sand erreicht. Der 24-Jährige setzte sich im Halbfinale des Pariser Grand-Slam-Turniers gegen den Chilenen Fernando Gonzalez nach 3:28 Stunden und einer starken Willensleistung 6:3,7:5,5:7,4:6,6:4 durch.

Dem als Nummer 23 gesetzte Söderling ist mit dem Final-Einzug der Sprung in der Weltrangliste von Platz 25 auf 12 sicher, so gut war schon fast vier Jahre lang kein Schwede klassiert. Verblüffend, dass der Bezwinger des Vierfach-Paris-Siegers Rafael Nadal bei seinen davor bestrittenen 21 Majors nie über Runde drei hinaus gekommen war. Zuletzt hatte im Jahr 2000 mit seinem jetzigen Coach Magnus Norman ein Schwede das Paris-Finale erreicht, er verlor damals gegen den Brasilianer Gustavo Kuerten.

Söderling hatte die ersten beiden Sätze gegen Gonzalez beherrscht, bei 4:4 in Durchgang drei kam aber die vorübergehende Wende. Bei 15:0 für den Schweden war ein Ball Söderlings nach Meinung des Südamerikaners neben der Linie gelandet. Gonzalez diskutierte minutenlang erst mit dem Linien-, dann mit dem Schiedsrichter. Schließlich wischte er den vermeintlichen Ballabdruck mit seinem Hinterteil ab - die eine Hälfte der Zuschauer johlte, die andere pfiff.

Jetzt will Söderling mehr
In Folge geriet Söderling ins Hintertreffen und auch in Satz mit 1:4 in Rückstand. Die Partie schien gelaufen. Doch der in Monte Carlo lebende Nordländer gab in Folge kein Game mehr ab und servierte aus. "Das war ein unglaubliches Match", sagte der bisher dreifache Turniersieger beim Verlassen des Platzes. "Als ich im fünften Satz ein Break im Rückstand war, habe ich mir gesagt, nichts mehr zu verlieren zu haben. Ab da ist es wieder gut gelaufen."

Der Außenseiter ist jedoch gewillt, noch einen Schritt weiter zu gehen. "Jetzt kommt das schwierigste Spiel des ganzen Turniers. Ich will wieder auf meinem Maximum spielen und erwarte dieses Match mit Ungeduld." Gewinnt Söderling tatsächlich den Titel, wäre er der insgesamt vierte schwedische French-Open-Sieger. Die ersten drei waren Sven Davidson, Björn Borg und Mats Wilander.

Gonzalez vor Rückkehr in die Top Ten
Gonzalez verpasste sein zweites Grand-Slam-Endspiel nach jenem in Melbourne 2007, wo er letztlich Federer unterlag. Damit bleibt Luis Ayala der einzige chilenische Finalist in Paris, er schaffte dies 1958 und 1960. Sollte Söderling nicht auch das Turnier gewinnen, ist Gonzalez die Rückkehr in die Top Ten sicher. Der 28-Jährige war 2008 zum bereits dritten Mal zu Chiles "Sportler des Jahres" gewählt worden.

"Er hat auf einem hohen Niveau gespielt", meinte Gonzalez nach der Partie über Söderling. "Wenn er weiter mit 200 km/h auf die Linie serviert, wird es für jedermann schwierig. Bei 4:1 im fünften Satz habe ich mir allerdings gedacht, dass ich das Match in der Hand habe. Aber deswegen ist Tennis auch so interessant. Man weiß nie, was es bringt. Oft spielt jemand sein bestes Tennis, wenn er kurz vor der Niederlage steht."

(apa/red)

5.6.2009 18:34