Über 50 Tote bei Zusammenstößen in Peru:
Indios kämpfen um angestammte Rechte
- Schwerste Auseinandersetzung seit vielen Jahren
- Ureinwohner wehren sich gegen Regierungsdekrete

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der peruanischen Polizei und demonstrierenden Indios sind bis zu 52 Menschen getötet worden. Der seit fast zwei Monaten andauernde Protest der Ureinwohner gegen eine Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen im Amazonasgebiet eskalierte, als Polizisten eine Straßenblockade von rund 5.000 Demonstranten beenden wollten. Die Unruhen waren die schwersten in dem südamerikanischen Land seit dem Vorgehen gegen die Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" vor mehr als zehn Jahren.
Über die Zahl der Opfer lagen unterschiedliche Angaben vor. Indioführer berichteten von mindestens 30 getöteten Ureinwohnern, darunter drei Kinder. Regierungschef Yehude Simon teilte mit, in der Amazonas-Region nahe der Stadt Bagua seien mindestens 22 Polizisten und neun Zivilisten ums Leben gekommen. Es werde befürchtet, dass die Zahl der zivilen Opfer noch höher liege. Die Regierung rief einen landesweiten Trauertag aus.
Indios drohen mit Polizistenmorden
Bei dem Versuch der Sicherheitskräfte, 38 von den Ureinwohnern gekidnappte Polizisten zu befreien, starben nach Polizeiangaben neun Polizisten. Nach dem Militäreinsatz würden sieben weitere Beamte vermisst, teilte ein Polizeivertreter mit. 22 der entführten Polizisten konnten demnach befreit werden. Die Indios hatten damit gedroht, die entführten Polizisten zu ermorden und eine Ölförderanlage in der nordperuanischen Amazonas-Stadt Bagua anzuzünden. Ob es Opfer unter den Ureinwohnern gab, teilte der Polizeivertreter nicht mit. Zunächst hatten die Sicherheitskräfte noch mit einer friedlichen Lösung der Geiselnahme gerechnet und versucht, Kontakt mit den Entführern aufzunehmen.
Die Lage im peruanischen Amazonasgebiet ist seit Wochen angespannt. Anfang Mai verhängte Präsident Alan Garcia in vier Provinzen den Ausnahmezustand. In der Region werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet, die der Staatschef von ausländischen Firmen erschließen lassen will. Dagegen wehren sich die Indiovölker in den Dschungelprovinzen, die sich zudem in ihren verfassungsmäßig garantierten Mitspracherechten übergangen fühlen.
Widerstand auf "krimineller Ebene"
Garcia beschuldigte Indioführer Alberto Pizango, den Widerstand auf eine "kriminelle Ebene" geführt zu haben. Pizango, der Präsident der Interethnischen Entwicklungsvereinigung des Peruanischen Dschungels, erklärte, die Demonstranten seien unbewaffnet gewesen. Er warf der Regierung "Völkermord" vor und forderte internationale Menschenrechtsgruppen auf, einzuschreiten. Ein Richter ordnete die Festnahme des Indioführers an, der nach Angaben des Innenministeriums vermutlich ins benachbarte Bolivien geflohen ist.
Der peruanische Präsident verteidigte das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten. Die Indios hätten damit gedroht, Gasleitungen zu zerstören und damit die Stromversorgung der Bevölkerung zu unterbrechen. "Was soll die Regierung sonst tun, als energisch die Ordnung wiederherzustellen", erklärte Garcia. Ministerpräsident Simon rief zur Besonnenheit auf, verteidigte jedoch gleichzeitig die Anwendung von Gewalt durch die Regierung. Oppositionspolitiker verschiedener Parteien forderten den Rücktritt von Simon und Innenministerin Mercedes Cabanillas.
Rund 5.000 Indios hatten eine Dschungelstraße in dem Gebiet Curva del Diablo blockiert. Indioführer sagten, die Polizei habe aus Hubschraubern Tränengas abgeworfen und auf die Demonstranten geschossen. Die Polizei erklärte dagegen, die Indios hätten Polizisten mit Schusswaffen angegriffen. Unabhängige Informationen über die Zusammenstöße gab es nicht - Journalisten haben kaum Zugang in die entlegene Region.
Protest gegen Ausbeutung
Die Indios protestieren seit April gegen die von Garcia erlassenen Verfügungen zur Erschließung ihres Landes und zur Ausbeutung der Bodenschätze. Die Ureinwohner werfen dem Präsidenten vor, nicht mit ihnen in redlicher Absicht über die Verträge gesprochen zu haben, die 30.000 Indios in sechs Amazonas-Provinzen betreffen. Damit habe er gegen die peruanische Verfassung und internationales Recht verstoßen. Die katholischen Bischöfe in Peru veröffentlichten im vergangenen Monat eine Erklärung, in der sie die Kritik der Indios als gerechtfertigt bezeichneten. Garcia hat erklärt, das Gesetz sei für die Entwicklung Perus nötig.
(apa/red)
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