Im Schatten von HC Strache und Martin:
Andreas Mölzer nicht ganz im Mittelpunkt
- Will weiter an einer Fraktion der Patrioten arbeiten
- Interview: "Rechtsintellektuelles Lager bin ich allein"

Andreas Mölzer wird sein Ziel, den FPÖ-Stimmenanteil von der letzten Europa-Wahl zu verdoppeln, in etwa erreichen. Ein wirklich strahlender Erfolg ist das für die Freiheitlichen aber auch nicht. Denn letztlich liegt die FPÖ trotz massivem finanziellem Einsatz und großem Engagement von Parteichef Heinz-Christian Strache unter ihren Möglichkeiten. Dafür verantwortlich ist wohl in erster Linie die Popularität von Hans-Peter Martin, die den Blauen zu schaffen machte, aber auch Mölzer selbst, der nur in den freiheitlichen Kernschichten ein Star ist.
Der 56-Jährige, geboren am 2. Dezember 1952 in Leoben, kommt aus dem ganz rechten Flügel der FPÖ und war auch einer der wesentlichsten Betreiber der Spaltung der Freiheitlichen. Besser weniger Stimmen, dafür Rückkehr zu den alten Werten, lautete das Credo des Publizisten, der in den 90er-Jahren in einem "profil"-Interview über sich selbst meinte: "Das rechtsintellektuelle Lager bin ich allein."
Hervorgetan hat sich der gebürtige Steirer, der mit seiner Frau und fünf Kindern am Ossiachersee in Kärnten lebt, auch in erster Linie als Publizist. Als Chefredakteur der FP-Wochenzeitung "Kärntner Nachrichten" (bis 1990) wurde er ein Getreuer Jörg Haiders. 1990 wurde er Chef des Freiheitlichen Bildungswerkes, 1991 Kärntner Bundesrat.
"Kasnudel-Hölderlin"
Ein Bruch mit Haider folgte und Mölzer, der unter anderem für die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als "rechtsextrem" eingestufte Postille "Aula" schrieb, verlegte sich wieder aufs Publizieren und gründete 1997 das Magazin "Zur Zeit", das er bis heute betreibt. Nebenbei schrieb er die diversesten Bücher, unter anderem den utopischen Roman "Der Graue" und Lyrik-Bände. Star-Germanist Wendelin Schmidt-Dengler verspottete ihn dafür als "Kasnudel-Hölderlin".
Der Öffentlichkeit bekannt wurde der Vorsitzende der Alten Herren des Corps Vandalia im Februar 1992: Vor dem Freiheitlichen Akademikerverband äußerte er seine Befürchtung, dass sich in Deutschland und Österreich eine "Umvolkung" anbahne. Dieser Eklat sorgte nicht nur für massive Kritik, sondern führte indirekt auch zur Abspaltung von Heide Schmidt von der FP und zur Gründung des Liberalen Forums.
Historische Ausritte kennzeichneten auch fürderhin den Weg Mölzers. Die Parteispitze schockierte der EU-Abgeordnete zuletzt 2005 beim 60. Jahrestag zum Gedenken der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz. Als einer von nur wenigen Europaparlamentariern weigerte er sich, für eine Auschwitz-Resolution zu stimmen, die Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit verurteilte, weil "mit dem Leid der Opfer tagespolitische Ambitionen verbunden werden", wie er damals erklärte.
Mandat mit Vorzugsstimmen
Dass er überhaupt ins EU-Parlament kam, verdankte Mölzer einer Gewaltanstrengung des ganz rechten dritten Lagers. Mit einer Vorzugsstimmenkampagne schob er sich von Platz drei aus auf das einzige Mandat, das die damals in einer tiefen Krise befindlichen Freiheitlichen erlangten. Die politische Karriere von Spitzenkandidat Hans Kronberger war dagegen zu Ende.
Mölzer stand dann Heinz-Christian Strache treu zur Seite, als sich Jörg Haider mit dem BZÖ abspaltete. Publizistischer Bewunderer war der am 2. Dezember 1952 in Leoben Geborene von beiden. Haider, für den er eine Zeit auch als Kärntner Kulturberater arbeitete, widmete er das Werk "Jörg! Der Eisbrecher", Strache wurde von ihm mit dem Werk "Neue Männer braucht das Land" bedacht.
Wirken wird Mölzer nun weiter von Brüssel aus und er will sein Wirken europäischer gestalten. So bastelt Mölzer weiter an einer Fraktion der patriotischen Kräfte, also mit Bewegungen wie dem belgischen Vlaams Belang. Die Fraktion "Identität, Tradition, Souveränität (ITS)", die er 2007 mitbegründet hatte, war nach internen Differenzen ja rasch wieder zerplatzt.
(apa/red)
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