Sonntag, 7. Juni 2009

Schwarzer Sonntag für Roten Swoboda:
Nicht wirklich der strahlende Wahlkämpfer

  • EU-Parlamentarier von SP-Negativtrend mitgerissen
  • Ein in jeder Hinsicht international denkender Mensch

Hannes Swoboda erlebt den wohl schwärzesten Sonntag seiner Karriere. Bestätigen sich die ersten Hochrechnungen, ist er für das schlechteste bundesweite Abschneiden der Sozialdemokraten in der Zweiten Republik mit verantwortlich. An ihm diese Pleite alleine festzumachen, wäre freilich billig. Der von Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter gestaltete Wahlkampf war mehr als alt-backen und Parteichef Werner Faymann wird sich nach zwei sozialdemokratischen Länder-Niederlagen und Schlappen bei AK- und ÖH-Wahl schön langsam auch unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.

Dass der Intellektuelle Swoboda kein strahlender Wahlkämpfer ist, wusste man in der SPÖ schon vor der Wahl. Wochenlang begab man sich auf die Suche nach anderen, die den Sozialdemokraten wie vor fünf Jahren zum Sprung auf Platz verhelfen konnten. Sogar eher absurde Gedankenspielereien wie Seniorenchef Karl Blecha oder die Vorarlberger ÖGB-Landessekretärin Manuela Auer geisterten durch die Partei, ehe man sich doch ein drittes Mal für Swoboda erwärmte.

Immerhin: 2004 hatte es geklappt und der langjährige Wiener Stadtrat kam trotz einer eher durchwachsenen Kampagne mit der SPÖ auf Platz 1. Ein Erfolg, der ihm bei der ersten österreichischen EU-Wahl noch missgönnt war. Damals war er der ÖVP mit Quereinsteigerin Ursula Stenzel unterlegen, weshalb 1999 dann Hans Peter Martin die SPÖ führen durfte.

International denkender Mensch
Swoboda ist in jeder Hinsicht ein international denkender Mensch. In seiner Jugend hätten ihn die Kriege in Indochina und Algerien zutiefst bewegt, meinte das sozialdemokratische Urgestein jüngst in einem Interview. Bei einem Schulaufenthalt in Großbritannien machte er sogar bei einem Hungerstreik für den Frieden mit, allerdings nur für 24 Stunden, wie er eingesteht.

Aufgewachsen in einer eher bürgerlichen Arztfamilie in Bad Deutsch-Altenburg ging er eine eher konservative Studienkarriere an. Im Jahr 1964 schloss er das Rechts- und das Wirtschaftsstudium ab. Danach trat der Sozialdemokrat in die Wiener Arbeiterkammer ein. Dort war er in der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung insbesondere mit Fragen der Finanzwirtschaft und der Umweltpolitik beschäftigt.

Parteipolitisch legte er die Basis mit heftiger Kritik am damaligen Verkehrsstadtrat Franz Nekula: Der bot ihm die Kandidatur für die Meidlinger Bezirksvertretung an. Von da an wurde Swoboda gern als Karriererakete bezeichnet. Er startete vom Gemeinderat über den Klubobmann zum Stadtrat für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Personal durch. 1991 übernahm er - wiewohl führerscheinlos - die Verkehrsagenden.

EU-Leidenschaft ausleben
Die Leidenschaft für Europa konnte er dann ab Mitte der 90er-Jahre so richtig ausleben. Sein Einzug ins Europaparlament bedeutete den Start in eine neue Karriere. Spezialisiert hat er sich auf die Außen-und Sicherheitspolitik und auf Energiefragen. Für eine ungewöhnliche Position war er dabei immer gut, etwa als er 1996 eine gegenseitige Beistandspflicht der EU-Staaten forderte und damit ein SPÖ-Tabu brach. In der Europa-Fraktion wurde seine Arbeit geschätzt, Swoboda ist Vizechef bei den Sozialdemokraten.

Intern wurde Swoboda nicht immer das beste Verhältnis zur Parteispitze nachgesagt. Der unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und seinem Nachfolger Faymann eingeleitete EU-kritischere Kurs der SPÖ samt dem Ruf nach verpflichtenden EU-Volksabstimmungen wurde anfänglich von Swoboda mitgetragen, später distanzierte er sich davon aber wieder. So drängte er seine Partei dazu, im Koalitionsvertrag mit der ÖVP ihre Forderung nach Volksabstimmung über künftige EU-Verträge fallenzulassen.

Privat ist Swoboda, geboren am 10. November 1946 in Bad Deutsch-Altenburg, mit Siemens Österreich-Chefin Brigitte Ederer in zweiter Ehe verheiratet. Aus seiner ersten Ehe hat der Hobbykoch und Maler eine erwachsene Tochter.

(apa/red)

7.6.2009 16:36
Vasant, 07. 06. '09 17:37
Konsequenzen
Nun sollte man seine eigenen Ratschläge annehmen, die
man anderen Parteien nahegelegt hat und zurücktreten
Herr Swoboda, sonst verliert die SPÖ noch mehr und dann
gibts gar keine Stimmen mehr!


Meine Meinung!
Viennese, 07. 06. '09 17:31
Es ist so gekommen wie kommen mußte
Mit diesem Wahlkampf, der nichts an Tiefschlägen und ungustiösen Anschuldigungen ausliess, hat die SPÖ endlich die verdiente Ohrfeige bekommen. Vor allem in Wien mit BM Häupl und Bundeskanzler Feymann. Diese beiden haben sich in einer Art und Weise präsentiert, daß man sich in die Zwischenkriegszeit vesetzt vorkam. Und diesen ungustiösem Tun wurde nun die gelbe Karte gezeigt! Die rote Karte gibt es dann bei der Gemeinderatswahl in Wien.