Der Aufdecker setzt den Erfolgslauf fort:
Hans-Peter Martin mit 3. Erfolg bei EU-Wahl
- "Krone" wesentlichster Faktor für seine Karriere
- "Mischung aus Selbstüberschätzung und Wahnsinn"

Dritte EU-Wahl mit Hans-Peter Martin an der Spitze einer Liste, und der dritte Sieg für den unbequemen Aufdecker aus Vorarlberg zeichnet sich ab. 1999 erobert die SPÖ mit dem Journalisten als Spitzenkandidat Platz eins, 2004 kam er als Unabhängiger aus dem Stand auf Rang drei, und diesen dürfte der erklärte Liebling der "Kronen Zeitung" auch 2009 verteidigen - und das ohne jeglichen Parteiapparat.
Martin gilt als extrem schwieriger Mensch. Kaum einer seiner Weggefährten weiß Gutes über ihn zu berichten. Mit der SPÖ zerkrachte er sich sofort nach seinem Einzug ins EU-Parlament und auch seine Weggefährtin beim erstmaligen Solo-Antritt Karin Resetarits ergriff nach einem finanziellen Streit rasch die Flucht zu den Liberalen. Heute sagt die frühere TV-Moderatorin: "Er ist eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Wahnsinn."
Angeeckt ist der gebürtige Bregenzer schon früh. Mit seiner Schülerzeitung "Rübe" wollte er gegen brutale Lehrer ankämpfen, das Blatt wurde verboten. Nach dem Ausflug in die Schulpolitik wandte sich Martin dem Recht zu. Er studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Wien.
Vergangenheit beim "Spiegel"
Beruflich fand sich Martin dann aber nicht im Gerichtssaal wieder, sondern in der Journalistenstube. Martin wurde außenpolitischer Redakteur beim deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in Hamburg. Von 1989 bis 1991 war er Korrespondent für Südamerika mit Sitz in Rio de Janeiro. Dann leitete er das "Spiegel"-Büro in Wien.
Zeit fand er nebenbei für das Verfassen von Büchern. Sein bekanntestes Werk ist das von Martin selbst als "Weltbestseller" gerühmte Epos "Die Globalisierungsfalle". Auch das Sachbuch "Bittere Pillen", bei dem er als Co-Autor fungierte, wurde ein Erfolg. Zuletzt publizierte er die "Europafalle". Wer sich das Geld für das Buch sparen wollte, wurde in der "Kronen Zeitung" bedient, die es seit Wochen kapitelweise der Leserschaft nahebringt.
Die "Krone" ist wohl Martins wesentlichster Faktor, was seine politische Karriere angeht. Dabei war das nicht immer so. Als er in der Causa Waldheim einer falschen Spur auf den Leim ging, nannte ihn der damalige Star-Kolumnist "Staberl" eine "arge Niete".
Annäherung an die "Krone"
Spätestens als sich Martin mit der SPÖ überworfen hatte, nachdem ihm diese den Delegationsleiter-Posten verweigert hatte, näherten sich der Star-Journalist, der sich auf den Spuren von Günther Wallraff sieht, und der "Krone"-Herausgeber einander an. Martin wurde zum ständigen Autor der "Krone", was maßgeblich für seinen Überraschungserfolg 2004 verantwortlich war. Wie wichtig die auflagenstärkste Zeitung für Martin ist, zeigte sich bei der Nationalratswahl 2006, wo sich die "Krone" zurückhielt und die Liste Martin prompt klar am Einzug ins Parlament scheiterte.
Martins Kampfthemen sind "Privilegienskandale" - zuletzt profilierte sich der selbst ernannte "kalifornische Vorarlberger" mit seinem Kampf gegen den umstrittenen Zusatzpensionsfonds der Europaabgeordneten. Im EU-Parlament zeigte Martin immer wieder Missstände auf, sei es das Abkassieren von Taggeldern, Abrechnungen und die allgemeine Verschwendung in der Gebarung.
Während diese Themen bei den Wählern in Österreich gut ankamen, machte sich Martin in Straßburg und Brüssel sehr unbeliebt, als er anfing, aus vertraulichen Gesprächen am Gang zu zitieren und mit Knopfloch-Kameras aufgenommene Bilder zu veröffentlichen. Eine der Folgen: Er wurde aus der sozialdemokratischen SPE-Fraktion ausgeschlossen.
Selbst am Pranger
Vor zwei Jahren stand der Aufdecker selbst nach Vorwürfen der Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF im Zusammenhang mit der Verwendung seiner Sekretariatszulage am Pranger. Das Europaparlament forderte von Martin 163.381 Euro und 54 Cent zurück. Martin bestritt "angebliche Formfehler", beklagte eine "politische Intrige" und reichte Klage beim EU-Gerichtshof auf Rückzahlung ein. Ein Urteil ist noch ausständig. In Österreich wurde ein Strafverfahren gegen Martin 2007 eingestellt, die Staatsanwaltschaft Wien fand keine Beweise für unrechtmäßigen Bezug.
Privat ist Martin, der 11. August 1957 in Bregenz geboren wurde, in zweiter Ehe mit der Deutschen Heike Kummer verheiratet. Aus einer früheren Verbindung hat er einen Sohn im Teenager-Alter. Als sein Hobby ist vor allem das Skifahren bekannt, eine weitere Leidenschaft sind Süßspeisen.
(apa/red)
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