Mittwoch, 27. Mai 2009

Verachtung des Amtes: Heinz Sichrovsky über den neuen Größenwahn

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Für den Begriff des Größenwahns gab es bis vor kurzem eine allseits ausreichende Definition, nämlich: massive Überschätzung der eigenen Person. Ein bedrohlich ins Kraut schießender, von überforderten Politikern ermutigter Typus des Kulturmanagers hat den Begriff neu gefasst: Verachtung des übernommenen oder angestrebten Amtes. So machte sich der im letzten Moment an Salzburg vorbeigeschrammte Stéphane Lissner erbötig, den Schauspielbereich der Festspiele mit zu übernehmen. Nicht, weil es ihm ein Anliegen wäre, sondern weil ihm die Intendantengage von 250.000 Euro nicht reichte. Die Pointe: Lissner, der in Doppelfunktion die Mailänder Scala und die Musiksparte der Wiener Festwochen versenkt, spricht nicht Deutsch. Er habe auch kein Problem damit, die Scala ein Jahr vor der Zeit zu verlassen, erläuterte er vor der Findungskommission. Das erinnert an jenen Burgtheaterdirektor, der das Institut zwei Jahre lang verkommen ließ, um als ausgewiesener Musikama-teur nebenbei ein Opernhaus zu leiten. Um Lissner nach Salzburg zu putschen, wurde seine engste Vertraute in die Kommission geschleust. Und hätten ihn nicht die Medien verhindert, wäre der Irrsinn Fakt geworden. Lissners Vertrag für die von ihm ins Koma gemanagte Musiksparte der Festwochen sieht keine Anwesenheit vor. Er endet 2010, und mit der Nichtverlängerung darf es nicht getan sein: Das Kontrollamt ist gefordert.

27.5.2009 16:14