Krisengipfel zum Krisenkonzern erfolgreich:
Magna erhält grünes Licht für Opel-Rettung
- Berlin: Einigung nach Verhandlungsmarathon erzielt
- Alle 4 deutschen Standorte sollen erhalten bleiben
Deutsche Regierung stellt 1,5 Milliarden Euro bereit

·Ergebnisse des Opel-
Gipfels im Überblick
Die wichtigsten Punkte des Rettungskonzepts
·Verhaltene Freude
bei den Opelanern
Viele sind aber froh, dass es nicht Fiat geworden ist
·Ist Insolvenz die letzte Chance für GM?
Auch Weißes Haus sieht darin die beste Option
Die Opel-Belegschaften können erstmals seit vielen Wochen wieder echte Hoffnung schöpfen: Kurz vor der für Montag erwarteten Insolvenz der US-Mutter General Motors (GM) steht ein Rettungsplan, der dem angeschlagenen Traditionshersteller nach 80 Jahren Zugehörigkeit zu GM das Überleben sichern soll. Geschnürt wurde das Paket in Berlin von Bund, vier Bundesländern sowie GM, dem Investor Magna und dem US-Finanzministerium. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die kurz vor der entscheidenden Runde mit US-Präsident Barack Obama telefonierte, sprach von einer "Perspektive für die Zukunft".
Die Beschäftigten hätten diese Chance verdient, betonte Merkel, weil das GM-Missmanagement und nicht die Beschäftigten die Schuld für die Opel-Krise hätten. Bei der Einigung sei für sie entscheidend gewesen, "dass die Risiken einer Alternative für mich politisch absolut nicht verantwortbar sind". GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster sprach vom "Beginn einer neuen Zukunft für Opel". Nach seinen Worten ist Opel "im Moment absolut gerettet". Opel soll nun kurzfristig aus dem GM-Verbund herausgelöst werden. GM bleibt aber mit 35 Prozent an Opel beteiligt. 20 Prozent entfallen auf den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna, 35 Prozent auf dessen russische Partner, den Autohersteller GAZ und die Sberbank. Weitere 10 Prozent übernehmen Händler und Mitarbeiter.
Standorte erhalten
Magna will alle vier deutschen Opel-Standorte erhalten. Das Konzept umfasst aber keine verbindlichen Absprachen zu den Arbeitsplätzen von Opel. Aus Regierungskreisen verlautete, eine Vereinbarung zur Job-Erhaltung hätte gegen EU-Recht verstoßen. Magna spreche in seinem Konzept von einem Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen bei General Motors Europe. 2500 Stellen sollen demnach in Deutschland wegfallen, wo Opel bisher 26.000 Arbeitnehmer beschäftigt. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich gefährdet sind, ist offen. Dies will Magna in den kommenden Wochen untersuchen. Sorge herrscht an den Standorten in Belgien und Großbritannien - in Antwerpen und in den Werken in Ellesmere Port und Luton. Britische Gewerkschaften dringen unterdessen auf die Sicherung von Vauxhall-Jobs.
Erleichterung bei Belegschaft
Die IG Metall reagierte erleichtert: "Der Weg für eine gute Zukunft von Opel ist frei", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Berthold Huber, in Frankfurt. "Mit Magna steigt ein Investor ein, dem die IG Metall zutraut, dieses Autounternehmen strategisch im Markt zu positionieren und damit Standorte und möglichst hohe Beschäftigung nachhaltig zu sichern." Die Opel-Belegschaft nahm die Einigung auf eine Rettung des angeschlagenen Autobauers ebenfalls mit Erleichterung auf. Betriebsratschef Klaus Franz rechnet aber damit, dass es einen Abbau von Arbeitsplätzen und Überkapazitäten geben werde.
Drei Bausteine
Das Konzept besteht nach Angaben des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück aus drei Bausteinen: Ein Vorvertrag ("memorandum of understanding") zwischen GM und Magna, ein Treuhand-Vertrag, der in Kürze rechtswirksam umgesetzt werden müsse sowie ein Konsortialvertrag für den staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro, der je zur Hälfte von Bund und den vier Ländern getragen wird. Die Zwischenfinanzierung solle binnen fünf Jahren in einen 4,5-Milliarden-Bürgschaftsrahmen übergeführt werden. Magna will laut Steinbrück kurzfristig benötigte 300 Millionen Euro in der nächsten Woche bereitstellen, ehe das Geld aus dem staatlichen Zwischenkredit fließt.
(apa/red)

