Die Wirtschaftskrise als Stimmungskiller:
Arbeitsklima verschlechtert sich drastisch
- Index: Leiharbeitskräfte besonders hart betroffen
- Zahl der Pessimisten in der Baubranche verdoppelt

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Die Finanz- und Wirtschaftskrise schlägt deutlich auf die Stimmung am Arbeitsmarkt durch - in bestimmten Berufsgruppen, Branchen und Regionen hat sich das Arbeitsklima seit Herbst 2008 besonders drastisch verschlechtert, sagte der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Johann Kalliauer, bei der Präsentation des Arbeitsklimaindexes vom Frühjahr 2009 und verwies etwa auf das Verkehrs-, Transport- und Nachrichtenwesen, wo mittlerweile 30 Prozent der Arbeitnehmer die Situation ihres Betriebs pessimistisch einschätzen - im Herbst waren es 25 Prozent.
Besonders hart trifft die Krise die Leiharbeitskräfte, die gleich in den ersten Monaten des Konjunkturrückgangs in Bausch und Bogen aus den Betrieben gekündigt wurden. "Die Zufriedenheit der Leiharbeiter lag zwischen Februar 2008 und Februar 2009 mit 94 Indexpunkten massiv unter dem Durchschnitt aller Arbeitnehmer", stellte Reinhard Raml vom Meinungsforschungsinstitut IFES fest, das die Erhebung gemeinsam mit SORA auf Basis von 1.000 Interviews durchführte. "Es gibt viele Gruppen auf dem Arbeitsmarkt, die diese Krise jetzt schon deutlich spüren", betonte er.
Pessimisten nehmen zu
Insgesamt sank der Arbeitsklimaindex seit August 2008 von 111 auf 108 Indexpunkte. In der Baubranche hat sich die Zahl der Pessimisten seit Herbst von 12 auf 25 Prozent verdoppelt, ebenso in der Industrie und im Gewerbe - von 11 auf 23 Prozent. Lediglich im Gesundheits- und Sozialwesen verringerte sich der Pessimismus in den Betrieben von 11 auf 9 Prozent der Arbeitnehmer. Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen blieb der Anteil unverändert bei 14 Prozent. Besonders negativ ist die Stimmung laut Kalliauer in den Bundesländern Kärnten, Steiermark, Oberösterreich und Salzburg. Bei Niederösterreich, Wien und dem Burgenland seien hingegen kaum Veränderungen festzustellen - der Indexwert liegt derzeit bei 109 Punkten.
"Trittbrettfahrer der Krise"
"Sorge bereitet mir, dass die Zufriedenheit der Arbeitnehmer mit dem Verhalten der Führungskräfte leidet - wir stellen hier unterschiedliche Entwicklungen fest", sagte AK-Präsident Kalliauer. Einige Betriebe seien in einer wirklich schwierigen Situation und versuchten, gemeinsam mit der Belegschaftsvertretung Lösungen zu finden, andere versuchten, ohne Dialog einseitig "drüberzufahren" und einige agierten als "Trittbrettfahrer der Krise" - sie nützten die Situation ohne sichtbare Notwendigkeit für Lohn- und Sozialleistungskürzungen, kritisierte der AK-Chef. Dies werde zu größeren überbetrieblichen Spannungen führen.
Konjunkturpakete "nachschärfen"
Kalliauer schlug vor, die Konjunkturpakete der Regierung "noch einmal nachzuschärfen". Die Freude der Politik halte sich hier in Grenzen. Um eine Ausbreitung der schwierigen Situation zu vermeiden, müssten zudem die Maßnahmen für Leiharbeiterstiftungen noch vor dem Sommer greifen. Ein weiteres Problem sei die Zeit nach dem Auslaufen der vielerorts verhängten Kurzarbeit. Das Arbeitslosengeld müsse erhöht werden, forderte Kalliauer. Allein in Oberösterreich gebe es rund 290.000 Arbeitslose - fast gleich viele Arbeitnehmer seien auf Kurzarbeit geschickt worden.
(apa/red)

