Mittwoch, 27. Mai 2009

Krone bald wieder "echt österreichisch":
Ausstieg der WAZ soll bis Herbst erfolgen

  • Gespräche mit Dichand laufen derzeit auf Hochtouren
  • Abstoßung der Kurier-Anteile angeblich kein Thema

Bereits im Herbst könnte die "Kronen Zeitung" wieder zur Gänze in österreichischer Hand sein. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) will ihren Anteil an der größten heimischen Tageszeitung so schnell wie möglich abstoßen. Dem Vernehmen nach soll die WAZ dem Hälfteeigentümer Hans Dichand bereits einen fertigen Vertragsentwurf für den Rückkauf übermittelt haben - dieser wird derzeit von den Anwälten der Familie geprüft. Auf die WAZ-Beteiligung am "Kurier" und die Mediaprint dürfte der Ausstieg des deutschen Medienkonzerns vorerst keine Auswirkungen haben, heißt es beim "Kurier"-Mehrheitseigentümer Raiffeisen.

"Ein WAZ-Ausstieg beim 'Kurier' war bisher kein Thema", sagte Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad. Man sei von der WAZ informiert worden, dass es Gespräche mit der Familie Dichand gebe. Im Falle des Abschlusses solcher Gespräche werde man über den Ausgang informiert. Weder habe Raiffeisen im Zuge der Verhandlungen irgendwelche Bedingungen gestellt, wie in Medien kolportiert wurde, noch sei die Übernahme von "Krone"-Anteilen durch Raiffeisen ein Thema, erklärte Konrad. "Wir sind Gesellschafter am 'Kurier'."

WAZ und Dichand halten je 50 Prozent
Die deutsche WAZ hält gemeinsam mit Hans Dichand je 50 Prozent an der "Kronen Zeitung", am "Kurier" besitzt das deutsche Unternehmen 49,44 Prozent, Raiffeisen ist mit 50,56 Prozent Mehrheitseigentümer des Blattes. "Krone" und "Kurier" sind ihrerseits mit je 50 Prozent an der Mediaprint beteiligt. Diese Servicegesellschaft kümmert sich um Anzeigen, Druck, Vertrieb (Hauszustellung) und Verwaltung der beiden Tageszeitungen. Dass sich an dieser Konstruktion etwas ändert, glaubt Konrad nicht. "Die Mediaprint wird es weiter geben. Ein Gesellschafterwechsel bei einem der Eigentümer der Mediaprint ist für die Mediaprint ohne Belang."

Der "Kurier"-Eigentümervertreter habe auch keinerlei Signale erhalten, dass die "Krone" aus der Mediaprint raus will. "Im Gegenteil - es gab im Vorjahr Gespräche, weil nach 20 Jahren erstmals die Möglichkeit bestanden hätte, aus den Mediaprint-Verträgen auszusteigen. Hans Dichand hat mich gefragt, ob wir raus wollen, und ich habe Nein gesagt. Ich habe Dichand gefragt, und er hat ebenfalls Nein gesagt. Ein Ausstieg aus der Mediaprint hätte Nachteile für beide Seiten, das würde wirtschaftlich keinen Sinn machen", so Konrad.

Gespräche laufen "auf Hochtouren"
Bei der WAZ wollte man das Thema "Kurier" nicht kommentieren. Dort scheint derzeit alle Aufmerksamkeit in Sachen Österreich-Engagement auf die "Krone" gerichtet. "Die Gespräche mit der Familie Dichand, aber auch mit Anderen laufen auf Hochtouren", erklärte WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach Anfang der Woche dem "Handelsblatt". Für die WAZ-Anteile an Österreichs größter Tageszeitung interessierten sich demnach "sowohl Investoren als auch Unternehmen aus Österreich". Man sei aber nur bereit, den Anteil zu verkaufen, "wenn die Konditionen stimmen". Kolportierte 200 Mio. Euro soll die WAZ für ihr "Krone"-Stück verlangen. Nach rückläufigen Renditen und langjährigen Querelen mit Dichand ist man des Engagements offenbar überdrüssig. "Die Verträge verpflichten uns selbst bei einem Verlust der 'Krone' dem Co-Gesellschafter einen Vorabgewinn auszuzahlen und gewähren uns kaum verlagswirtschaftlichen Einfluss", so Hombach.

Informierte Kreise in Wien gehen davon aus, dass sich die WAZ lediglich aus der "Krone" zurückzieht, die "Kurier"-Anteile aber weiterhin behalten wird, vorausgesetzt es bleibt bei der bisherigen Konstruktion und Gewinnaufteilung in der Mediaprint. Diese beläuft sich derzeit - erst jüngst durch ein Schweizer Schiedsgericht bestätigt - auf 70 Prozent für die "Krone" und 30 Prozent für den "Kurier". Verschiedene Insider sind jedenfalls überzeugt, dass sich an der Mediaprint-Konstruktion vorerst nichts ändern und sich der Gesellschafterausschuss des Verlagshauses weiterhin aus Vertretern der Familie Dichand, des Raiffeisen-Konzerns und der WAZ zusammensetzen werde.

Minderheitsbeteiligung am Kurier
Grund für ein weiteres Engagement der WAZ beim "Kurier" dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass sich WAZ und Raiffeisen bisher nicht auf einen Rückkaufpreis für die WAZ-Anteile am "Kurier" einigen konnten. Dem Vernehmen nach wollte sich die WAZ ursprünglich völlig aus Österreich zurückziehen und hat den Verkauf der "Krone"-Anteile lange Zeit an die Bedingung geknüpft, dass auch die Minderheitsbeteiligung am "Kurier" unter den Hammer kommt. Von diesem Plan dürften die Deutschen aber wegen des konjunkturbedingten Finanzdrucks abgewichen sein. "Krone" und "Kurier" werden deshalb getrennt behandelt. Und auch wenn Raiffeisen den "Kurier" wieder komplett übernehmen sollte, würde dies nicht automatisch das Ende der Kooperation mit der "Krone" bedeuten. Eine Aufsplittung der Mediaprint wäre in Zeiten, in denen alle Verlagshäuser nach Synergiepotenzial suchen, widersinnig, so ein Mediaprint-Vertreter.

Ob Raiffeisen Dichand beim Rückkauf der WAZ-Anteile an der "Kronen Zeitung" in Form eines Darlehens finanziell unterstützen könnte, ließ Christian Konrad im Gespräch mit der APA offen. "Über Bankverbindungen gebe ich grundsätzlich keine Auskünfte. Das heißt weder Ja noch Nein."

(apa/red)

27.5.2009 10:32