Mittwoch, 27. Mai 2009

So tickt Österreichs Jahrhunderttalent:
NEWS besuchte Marko Arnautovic in Holland

  • In Österreich gescheitert, in Holland zum Topkicker
  • Ganz nach oben und mit dem Kopf durch die Wand

Eine Fahrt durch eine holländische Kleinstadtidylle, schmucke Backsteinhäuschen mit liebevoll gepflegten Kleingärten, auf den Weiden grasen Kühe, Pferde, Schafe, und aus dem Autoradio trällert Aca Lukas, einer der beliebtesten Sänger des Balkans. „Jugo-Musi“, sagt Daniel Arnautovic, der am Steuer sitzt, und dreht lauter, „auf das stehen wir!“ Er kutschiert seinen Bruder Marko, den mit 15 Millionen Euro teuersten Spieler, den Österreich je gehabt hat, zum NEWS-Fotoshooting vor der Windmühle „Lonnekermolen“.

Doch kurz vor dem Ziel wissen die Brüder nicht weiter. „Steig aus und frag“, sagt der Ältere zum Jüngeren. Und Marko, der in der Fußballwelt mit Angeboten von Inter Mailand bis Chelsea von sich reden macht, schickt sich an, das auch zu tun. Nur: „Daniel, was heißt Windmühle auf Holländisch?“ „Keine Ahnung. Sag einfach das Radl, dass sich immer so dreht!“

Durchbruch in Holland
Vor drei Jahren kam Arnautovic als knapp 17-Jähriger nach Holland, in der heurigen Saison war er bereits fixer Bestandteil der Kampfmannschaft vom FC Twente Enschede und schoss mit 12 Meisterschaftstoren seinen Klub auf den zweiten Rang der „Eredivisie“ und in die Champions League – hinter AZ Alkmaar, noch vor Ajax Amsterdam, Feyenoord oder PSV Eindhoven.
Wegen einer Verletzung musste er zuletzt pausieren, auch für das WM-Quali-Spiel gegen Serbien am 6. Juni fällt der Nationalteamspieler aus. Routiniert gibt er Interviews in der Landessprache. Das erste Wort, das er lernte, war „gappen“, also den Gegner ausspielen, das letzte mit Sicherheit „Windmühle“. Was ihn nicht interessiert, das ignoriert er. Und damit wäre grob umrissen, wieso der 20-jährige Wiener als eines der größten Fußballtalente Österreichs ebendort fast verloren gegangen wäre.

Disziplin? Nein danke!
Zwölf Jahre, sechs Vereinswechsel, so lautet die stolze Bilanz des Marko Arnautovic. Dass sein achter Verein einen ganz großen Namen tragen wird, war wohl nie unwahrscheinlicher als vor drei Jahren. Da spielte der 16-Jährige nach Stationen bei der Vienna, der Wiener Austria und Rapid in der dritten Österreichischen Liga beim FAC, wo er einst als Fünfjähriger begonnen hatte.
Dreimal hatte er es bei den Wiener Bundesliga-Vereinen probiert, zweimal bei den Violetten, einmal bei Grün-Weiß. Mit Schaudern erinnern sich die Nachwuchsleiter der Klubs an den Querulanten. Ralf Muhr, sportlicher Leiter der Austria-Akademie, beschreibt Arnautovic als „Strizzi und Lausbub“, der immer Ideen hatte, die sich mit jenen des Trainers selten deckten. Konkreter wird sein Pendant bei Rapid, Rainer Setik: „Wenn es geheißen hat, Bälle tragen, hat er gefragt: Wieso ich? Waren Sprints angesagt, ist er locker gelaufen.“ Kritik nahm der aufmüpfige Kerl mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen zur Kenntnis.

Rettung in letzter Minute
„Ich war ein Problemkind“, gibt Arnautovic heute zu. Allzu gerne habe er sich auf der Straße herumgetrieben, habe vom Käfig-Kick mehr gehalten als von Trainings mit vielen Regeln. Sein Bruder, ebenfalls ein großes Talent, scheiterte auf diese Art und Weise. Um Marko kümmerten sich indes sein ehemaliger Trainer bei der Vienna, Walter Künzel, und sein Coach beim FAC, Othmar Larisch. Sie organisierten über Arnautovics heutigen Manager, Rob Groener, ein Probetraining bei Twente Enschede. Der 17-Jährige bestand, übersiedelte nach Holland, ließ Freunde und Familie zurück. „Ich war viel zuhause bei meiner Gastfamilie. Da habe ich Ruhe gefunden“, so Arnautovic. Das perfekte Umfeld tat das Übrige. Ein- bis zweimal Training am Tag, je zwei bis drei Stunden lang. Probleme gab es in Enschede nie, und Manager Groener meint, den Grund zu kennen: „Marko weiß, er ist Qualität. Und er will mit Qualität arbeiten.“

Nina Strasser

Die gesamte Geschichte plus Interview mit Marko Arnautovic gibt es im NEWS Nr. 22/09!

27.5.2009 19:49