Georg-Büchner-Preis für Walter Kappacher:
Wichtigste deutsche Literaturauszeichnung
- Salzburger arbeitet seit Jahren als freier Schriftsteller
- Sprachbehutsamer Autor fernab aktueller Trends

·"Ich glaube es jetzt noch nicht wirklich"
Interview mit Büchner- Preisträger Kappacher
Trotz seiner zahlreichen veröffentlichten Romane, Erzählungen und Drehbüchern zählte der Salzburger Schriftsteller Walter Kappacher (70) bisher nicht zu Österreichs bekanntesten Autoren. Dies wird sich mit dem Georg Büchner-Preis, der Kappacher zugesprochen wurde, nun ändern. Fernab aller Trends beschreitet er mit seiner Erzählprosa seinen eigenen Weg. Dafür erhielt er schon mehrere Auszeichnungen, wie 2004 den "Hermann-Lenz Preis" und im Jahr 2006 den großen Kunstpreis des Landes Salzburg für Literatur.
Geboren wurde Kappacher 24. Oktober 1938 in der Stadt Salzburg. Nach diversen Jobs als Mechaniker, Milchmann und Reisebüro-Kaufmann entdeckte er sein großes Interesse: das Lesen und Schreiben. So veröffentlichte er 1967 seine ersten Kurzgeschichten in der "Stuttgarter Zeitung". Erst acht Jahre später erschien sein Buch "Morgen". Im Alter von 40 Jahren ließ er sich schließlich ganz auf das Schreiben ein und versuchte sich als freier Autor.
Von da an folgten unter anderem die Romane "Rosina", "Silberpfeile" und "Selina oder das andere Leben" sowie die Veröffentlichung der Erzählungen "Die irdische Liebe" und "Wer zuerst lacht". Gemeinsam mit Peter Keglevic arbeitete er außerdem an dem Drehbuch "Die Jahre vergehen". Seine Werke handeln von unterschiedlichen Themen wie Liebe, Tod, Unsterblichkeit oder auch vom Motorsport, im Mittelpunkt stehen aber immer unauffällige Menschen, denen ganz und gar nichts Außergewöhnliches passiert.
Kunstpreis des Landes Salzburg
1997 war Kappacher Stadtschreiber in Calw (Deutschland). 2006 erhielt er den großen Kunstpreis des Landes Salzburg für Literatur "für sein konsequentes und kontinuierliches künstlerisches Schaffen sowie für seine allgemeinen Verdienste in der Salzburger Literaturszene". Die Jury beschrieb seine Werke damals mit folgenden Worten: "Was Kappachers Bücher auszeichnet, sind vor allem zwei Qualitäten: Wahrnehmungsbesessenheit und Sprachbehutsamkeit. Sie widmen sich dem 'Kleinen' in der Natur, in der alltäglichen Arbeit, auch in der Technik; diese Details werden mit Konzentration und Hingebung betrachtet und in einer unaufgeregten und präzisen Sprache wiedergegeben. Und durch die Eindringlichkeit des Geschilderten entsteht eine anwachsende Spannung, geradezu ein Sog der 'unbedeutenden' Dinge. Ihre Bedeutung besteht schließlich darin, ein solches Schauen und Erzählen möglich zu machen."
Zuletzt erschienen sind der überarbeitete Roman "Der lange Brief" und der Essay "Hellseher sind oft Schwarzseher" aus dem Jahr 2007 und, heuer, der Roman "Der Fliegenpalast" (erschienen bei Residenz), in dem sich Kappacher Hugo von Hofmannsthal widmet. Kappacher, der laut Angaben auf seiner Homepage im Vorjahr das Ehrendoktorat der Universität Salzburg erhielt, lebt in Obertrum bei Salzburg.
Preisträger seit 1998:
- 2009 Walter Kappacher
- 2008 Josef Winkler
- 2007 Martin Mosebach
- 2006 Oskar Pastior
- 2005 Brigitte Kronauer
- 2004 Wilhelm Genazino
- 2003 Alexander Kluge
- 2002 Wolfgang Hilbig
- 2001 Friederike Mayröcker
- 2000 Volker Braun
- 1999 Arnold Stadler
- 1998 Elfriede Jelinek
(apa/red)

