Dienstag, 26. Mai 2009

Großer Staatspreis geht an Brigitte Kowanz:
Lichtkünstlerin erhält höchste Auszeichnung

  • Kowanz ist die neunte mit dem Preis prämierte Frau
  • Österreichische Ehrung ist mit 30.000 Euro dotiert

Der Große Österreichische Staatspreis, die höchste Auszeichnung der Republik für eine Künstlerin oder einen Künstler, geht heuer an die Wienerin Brigitte Kowanz. Die 52-jährige Licht-Künstlerin ist die neunte Frau seit Bestehen des Preises, die mit diesem ausgezeichnet wird. Die Überreichung findet am 26. Juli in Salzburg statt. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert. Kowanz bezeichnete die Zuerkennung in einer ersten Reaktion als "schöne Überraschung", die durchaus unerwartet komme.

Als höchster österreichischer Kunstpreis sei dies sicher ein "Höhepunkt", meinte Kowanz. Aber sie hoffe doch, "dass mit meiner Arbeit und für meine Ausstellungen jetzt der Höhepunkt noch nicht überschritten ist". Das Preisgeld werde sie "in die Arbeit" investieren, sagte die Kunst-Professorin. Dass Kowanz erst die zweite bildende Künstlerin und insgesamt neunte Frau ist, die den Staatspreis zugesprochen bekommt, sei "eher spärlich", so die Künstlerin. Sie gehe jedoch davon aus, dass sie nicht deswegen ausgezeichnet wurde, sondern für ihre künstlerische Arbeit.

"Innovative Kunstform"
Als "wichtige öffentliche Anerkennung für das kreative Schaffen von Frauen" bezeichnete Kulturministerin Claudia Schmied die Auszeichnung, mit der "eine innovative Kunstform gewürdigt" werde. Kowanz setzt sich seit den 1980er Jahren mit der allgegenwärtigen Beleuchtung, mit Licht-Information, Leuchtstoffröhren und Monitoren auseinander und wurde zu einer der bekanntesten Licht-Künstlerinnen ihrer Generation. Kowanz taucht mit künstlerischen Interventionen auch den öffentlichen Raum in ein neues Licht.

Brigitte Kowanz wurde am 13. April 1957 in Wien geboren und studierte von 1975 bis 1980 an der Hochschule (nunmehr: Universität) für angewandte Kunst. Seit 1997 hat sie dort eine Professur für Medienkunst/Medienübergreifende Kunst inne. Bereits 1984 wurden Arbeiten von ihr auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Solo-Ausstellungen hatte Kowanz u.a. in Eindhoven, München, Venedig, Berlin und Brüssel. Interventionen im architektonischen Bereich gestaltete sie u.a. in der Arbeiterkammer in Linz, im Museum Liaunig (Neuhaus) sowie am Max Planck Institut für molekulare Biomedizin (Münster).

Mitglied des Kunstsenats
Kowanz wurde auch in den Kunstsenat aufgenommen, was Schmied als "ein wichtiges gesellschaftliches Signal" deutete. Sie ist derzeit neben Friederike Mayröcker, Maria Lassnig und Ilse Aichinger die vierte Frau in dem 21-köpfigen Gremium. Die Aufgabe des Kunstsenats besteht darin, die Anliegen der Kunst in der Öffentlichkeit zu vertreten, die öffentlichen Stellen in wichtigen Fragen der Kunst zu beraten und Maßnahmen zur Kunstförderung und zur Bewahrung der kulturellen Substanz anzuraten. In seine Kompetenz fällt das Vorschlagsrecht für den Großen Österreichischen Staatspreis und das Vorschlagsrecht für die Berufung der Staatspreisträger in den Kunstsenat.

Der Große Österreichische Staatspreis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird seit 1950 im Jahresrhythmus ohne festgelegtes Rotationsprinzip an österreichische Künstler der Sparten Literatur, Musik, Bildende Kunst und Architektur vergeben. Bisherige Trägerinnen waren die Autorinnen Martina Wied (1952), Imma von Bodmersdorf (1958), Ingeborg Bachmann (1968), Christine Busta (1969), Christine Lavant (1970), Friederike Mayröcker (1982), Ilse Aichinger (1995) sowie die Künstlerin Maria Lassnig (1988). In den vergangenen Jahren waren Günther Domenig für Architektur (2004), Hermann Nitsch für Bildende Kunst (2005), Georg Friedrich Haas für Musik (2006), Josef Winkler für Literatur (2007) und Karl Prantl für Bildende Kunst (2008) ausgezeichnet.

(apa/red)

26.5.2009 14:30

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