Mittwoch, 27. Mai 2009

Zusammenarbeit mit der FPÖ? Kanzler Faymann kritisiert eigene Länderparteien

  • Gesteht "taktisches Dilemma" bei Verhandlungen
  • Schließt rot-blaue Regierung auf Bundesebene aus

SPÖ-Vorsitzender Bundeskanzler Faymann hat Kritik an jenen Landesparteien geübt, die eine Zusammenarbeit mit der FPÖ nicht ausgeschlossen haben. Gleichzeitig bekräftigte er, dass es auf Bundesebene keine Koalition mit den Freiheitlichen geben werde, er aber seine Landesparteien nicht zur Übernahme dieser Linie zwingen könne.

Dass er nun mit der Forderung nach Verlängerung des Assistenzeinsatzes des Bundesheeres an der Ostgrenze der FPÖ in Sicherheitsfragen entgegenkomme, wies der Bundeskanzler im ORF-"Report" entschieden zurück. "Ich orientiere meine Politik nicht an der FPÖ", vielmehr seien die Anliegen der Bevölkerung ausschlaggebend, so Faymann.

"Taktisches Dilemma"
Faymann gestand zu, dass sich die SPÖ in einem "taktischen Dilemma" befinde, indem sie aufgrund der Mehrheitsverhältnisse eigentlich nur die ÖVP als möglichen Regierungspartner habe. Für ihn selbst sei das kein großes Problem. Einige Funktionäre in den Bundesländer würden aber sagen, es sei besser, noch eine taktische Möglichkeit aufzumachen. "Ich bin da anderer Meinung", stellte der SPÖ-Vorsitzende klar.

Scharfe Trennlinie gefordert
Er würde an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn er die FPÖ in eine Regierungsposition brächte und gleichzeitig sage, die FPÖ hetze auf, dagegen müsse es eine scharfe Trennlinie geben, so Faymann. "Ich würde auch auf Landesebene einen anderen Weg gehen", richtet der SPÖ-Vorsitzende seinen Landesparteien, wie etwa der Salzburger aus, die vor den Landtagswahlen eine Zusammenarbeit mit der FPÖ nicht ausgeschlossen hatte.

Die Sozialdemokratie sei kein organisierter Konzern, sie habe ein lebendigeres Parteileben als manche glauben. "Ich bin nicht der Konzernchef und auch nicht der Löwenbändiger", begründete Faymann, warum er seine Meinung in manchen Ländern nicht durchsetzen könne.

(apa/red)

27.5.2009 09:18
murli10, 27. 05. '09 09:30
FPÖ als Ideenfabrik sehr gefragt
Wenn der Herr BK immer von den Rechten spricht, dass man diese FPÖ nicht braucht usw. Er möge mal in das Volk hineinhören. Von dort kommt eine andere Meinung. Sicher kann nur er gewisse Maßnahmen umsetzen, er ist ja in der Regierung. Viele Ideen sind trotzdem von der FPÖ gekommen. Das kann für Österreich nur gut sein.
Ich glaube auch nicht, dass man mit ständigem "Rechtsgeheul" Wahlen gewinnen kann. Das Fernsehen, das Radio, in den Zeitgungen, und dazu noch die linken Politiker, haben einen erheblichen Teil ihrer Meldungen und Reden auf das Thema Nazi beschränkt. Verstärkte Rechtsaktivitäten sind die Folge!!!!! Diese grausliche Zeit darf nie mehr kommen, da sind sich sicher alle normalen Bürger einig. Aber so kann man nicht Aufklärung betreiben.
sidestep, 27. 05. '09 08:12
Wer verhandlungstaktisch so dumm ist.....
....hat das Recht, Bundeskanzler der SPÖ zu sein. Sich verhandlungstatkitsch so der ÖVP auszuliefern, die nur darauf wartet, den Roten das politische Messer in den Rücken rammen zu können, hat das Recht, politisch so in Schönheit zu sterben. Seit Kreisky haben die Roten ohnehin nie mehr einen "politischen" Kanzler gehabt sondern nur auf Hochglanzpapier strahlende Nadelstreifkanzler. Die Reihe wird mit dem kalten Lächler Faymann nahtlos fortgesetzt.
squier, 27. 05. '09 08:59
Re: Wer verhandlungstaktisch so dumm ist.....
Guter Einwand, allerdings - so denke ich - ist es so immer noch besser, als sich (wie einst Schüssel) als 3. Wahlverlierer von der FPÖ zum Kanzler zu machen.