Dienstag, 26. Mai 2009

Ex-Innenminister Walter Soronics ist tot:
Politiker verstarb 88-jährig in Eisenstadt

  • Von 1963 bis 1968 Staatssekretär, danach Minister
  • War Landeshauptmannstellervertreter im Burgenland

Der frühere Innenminister und burgenländische Landeshauptmannstellvertreter Franz Soronics ist am Montag im 89. Lebensjahr in Eisenstadt gestorben. Er gehörte in der Zweiten Republik als erster Burgenländer einer Bundesregierung an.

Bundeskanzler Alfons Gorbach holte den gebürtigen Eisenstädter Ende 1963 als Staatssekretär im Innenministerium in sein Kabinett. Während der ÖVP-Alleinregierung unter Bundeskanzler Josef Klaus ab 1966 war Soronics zunächst Staatssekretär im Sozialressort, ehe er von 1968 bis 1970 das Innenministerium leitete.

Viel diskutierter Zilk-Akt
1998 sorgte der frühere Innenminister für innenpolitische Diskussionen: Er veröffentlichte damals einen aus seinem Privatarchiv stammenden Stapo-Akt über den früheren Bürgermeister Helmut Zilk, um diesen vom Vorwurf der Spionagetätigkeit zu entlasten. Ermittlungen wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs und Bruch des Amtsgeheimnisses wurden in der Folge von der Justiz aufgenommen, aber bald wieder eingestellt. Auch bei der Neuauflage der Diskussion im März dieses Jahres vertrat Soronics die Einschätzung, Zilk sei kein Spion gewesen.

Seine politische Laufbahn begann Soronics zuvor in Eisenstadt als Gemeinderat und Stadtrat. 1954 wurde er zum Landesobmann des ÖAAB gewählt. 1956 entsandte ihn das Burgenland in den Bundesrat, nach der Wahl 1959 wechselte er in den Nationalrat.

Innenminister während CSSR-Krise
In seine Amtszeit als Innenminister fielen die Studentenproteste sowie die CSSR-Krise 1968. Nach dem Wahlsieg Bruno Kreiskys im Jahr 1970 blieb Soronics zunächst im Nationalrat. 1971 zog er in die Burgenländische Landesregierung ein, ein Jahr später wurde er als Nachfolger Reinhold Polsters Landeshauptmannstellvertreter. 1978 wurde Soronics von Franz Sauerzopf als LHStv. und nach fast zehn jähriger Obmannschaft auch als ÖVP-Chef abgelöst. Von 1978 bis 1982 war er Zweiter Landtagspräsident, ehe er sich aus der aktiven Politik zurückzog.

Nach seinem Abschied aus der Politik engagierte sich Soronics im Klub der burgenländischen Altmandatare. Am tagespolitischen Geschehen zeigte er sich weiterhin interessiert und besuchte auch noch öfters Sitzungen des Burgenländischen Landtages.

(apa/red)

26.5.2009 10:14