Dienstag, 19. Mai 2009

Kirche und Kanzler beziehen Stellung:
Und wo ist Pröll?

  • Atha Athanasiadis, NEWS-Chefredakteur
  • Ihre Meinung: Was denken Sie über dieses Thema?

Es hat immer schon gereicht. Aber vergangene Woche war es dann endgültig genug. H.-C. Strache griff in völliger Selbstüberschätzung bei einer Demo gegen eine Moschee zum Kreuz. Es war die totale Grenzüberschreitung. Zur üblichen Verhetzung kam jetzt auch noch Missbrauch hinzu. Das Kreuz in der H.-C.-Hand als Symptom seiner rechten Hybris. Unangenehm.

H.-C. tat, und einem der mächtigsten Kirchenmänner des Landes – Propst Maximilian Fürnsinn, Abt des Stiftes Herzogenburg – platzte im NEWS-Interview (S. 14) der Kragen: „Da zeigt sich, wenn er das Kreuz in
die Hand nimmt: Er hat vor niemandem Respekt! Das ist ein eklatanter Missbrauch des Kreuzes! Ein Mensch, der in dieser Form das Kreuz missbraucht, ist auch fähig, über Leichen zu gehen! Ich sage das in aller Deutlichkeit! Der hat überhaupt nicht verstanden, was das Kreuz bedeutet. Der hat überhaupt nicht verstanden, welche Botschaft vom Kreuz ausgeht: Das Kreuz ist kein Instrument für das Niedermachen! Sondern am Kreuz ist einer gestorben aus Liebe zu allen Menschen.“ Klare, aufrechte Worte.
Das war Sonntagabend. Montag am späten Nachmittag besuchte dann Kanzler Werner Faymann kurzfristig die NEWS-Redaktion. Er hatte am Wochenende Strache als Hassprediger bezeichnet. Bei uns legte er noch einmal nach, präzisierte seine Vorwürfe und zollte Abt Fürnsinn für dessen Worte „tiefsten Respekt“. Über die Vermittlung von NEWS ist damit eine Allianz der Guten und Aufrechten zustande gekommen. Eine Allianz zwischen Kirche und SPÖ. Das Ziel: Stoppt den Hass. Stoppt Straches Verleumdungen.

Seltsam mutet die Konstellation nur aus einem Blickwinkel an: Wo ist jener Mann, dessen Partei sich auf christlich-soziale Werte beruft? Wo ist Vizekanzler Pröll?
Spätestens nach Straches Kreuz-Missbrauch hätte Sepp Pröll reagieren müssen. Es ist Zeit für eine klare Stellungnahme: Mit Straches FPÖ ist einfach kein Staat zu machen. Straches FPÖ sät Hass, Neid und Missgunst. Sie schreit. Aber sie bringt uns keinen Schritt vorwärts.
Sehr geehrter Herr Vizekanzler: Aufrecht gehen ist auch ein Zeichen von mutigem Christsein.

19.5.2009 14:48