"Sind bereit, auch einen Beitrag zu leisten":
Siemens-Chefin Ederer im NEWS-Interview
- Managerin: "Haben es mit unbändiger Wut zu tun"
- Diskussion über Vermögenssteuern ist zu erwägen
·Ist das Schlimmste
schon überwunden?
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Plus: Budgetbegleitgesetz
trotz VP-Widerstand durch

Sie wird regelmäßig für andere Aufgaben gehandelt: in der Politik für die Führung der SPÖ, in der Wirtschaft für die Nachfolge des ÖIAG-Chefs Peter Michaelis. Seit 2005 ist sie aber in erster Linie Vorstandsvorsitzende von Siemens Österreich - erfolgreich, urteilt Konzernchef Peter Löscher: Brigitte Ederer macht einen fantastischen Job. Im großen NEWS-Interview warnt Ederer vor Radikalisierungen, die die Krise auslösen könnte und die, wenn es einmal wirklich losgeht, nicht steuerbar wären. Die Eliten müssten einen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten: Sonst werden wir ein veritables Problem kriegen.
NEWS: Wie sehr trifft die Krise Siemens, und wie wird Siemens am Ende dastehen?
Ederer: Die Krise ist bei Siemens angekommen, aber Siemens ist nicht in der Krise. Wie wir am Ende dastehen werden, kann man heute nicht sagen, weil offen ist, wann das Ende ist. Wenn es vielleicht im Herbst vorbei wäre, dann trifft es uns, aber nicht in einem extremen Ausmaß.
NEWS: Können Sie abschätzen, wie tief hinunter es noch geht?
Ederer: Im Moment kennt niemand die Entwicklung der nächsten Monate. Es ist anzunehmen, dass, wenn die Konjunkturprogramme greifen und die Lager ausgeräumt sind denn bis dahin wird nichts bestellt , die Chance besteht, dass es Anfang nächsten Jahres besser wird.
NEWS: Man könnte sich erwarten, dass Sie als ehemalige Politikerin und Managerin eine Antwort auf die Krise haben. Haben Sie eine?
Ederer (lacht): So banal das klingen mag: Aber nach dieser enormen Überhitzung des Finanzmarktes und der Finanzprodukte glaube ich, dass man sich wieder viel mehr auf den Hausverstand verlassen sollte. Es gibt keine Wunder. Und wenn jemand einem nachhaltig 15 Prozent Zinsen oder Ergebnis verspricht, dann wäre das ein Wunder.
NEWS: Also ist der Kapitalismus nicht tot?
Ederer: Nein, er ist in einer Krise, und es wird Korrekturen geben. Schlagartig spielt ja der Staat wieder eine ganz andere Rolle, das ist ja unglaublich. Wenn ich vor zwei Jahren in einem Interview mit Ihnen gesagt hätte, General Motors wird verstaatlicht oder Österreich verstaatlicht Banken, dann hätten Sie mich wahrscheinlich hier hinausgetragen. Es ist schon faszinierend, wie schnell Menschen umdenken.
NEWS: Wohin wird es gehen?
Ederer: Das ist noch nicht heraußen. Wenn die Krise länger dauert, nachhaltiger ist und es zu hoher Arbeitslosigkeit kommt, dann kann es in der Europäischen Union, wo ich es beurteilen kann, schon zu Radikalisierungen kommen.
NEWS: Es löst bei vielen Wut aus, wenn die einen mit Abfertigungen und Boni heimgehen und die anderen mit Jobverlust, Kurzarbeit oder Angst bezahlen.
Ederer: Ja, wir haben es mit einer unbändigen Wut zu tun. Jetzt ist das sehr emotional, sehr undifferenziert, aus der Wut entstanden. Das macht mir Sorge, weil man nicht weiß, in welche Richtung das geht und weil es, wenn es einmal wirklich losgeht, nicht steuerbar ist.
NEWS: Und wie ist die Wut auf die da oben zu besänftigen?
Ederer: Die Eliten müssen nachvollziehbar einen Beitrag leisten. Was immer dann das Instrument ist. Aber die Eliten müssen zeigen: Wir sind bereit, auch einen Beitrag zu leisten. Wenn das nicht geschieht, dann werden wir in Europa, wenn die Krise länger dauert, ein veritables Problem kriegen.
NEWS: Was kann das sein: Vermögens-, Spekulationssteuer?
Ederer: Ich will mich in die aktuelle Diskussion nicht einmengen, aber eine Transaktionssteuer wäre wichtig, damit sich das Ganze verlangsamt. Und für Österreich muss man sich schon überlegen, dass wir eine der geringsten Vermögenssteuern haben und ob da nicht Nachholbedarf gegeben ist.
Tessa Prager
Lesen Sie über den schwierigsten Job in Ederers Leben im aktuellen NEWS 21/09!

