Gewerkschaft "erkauft" die Briefzustellung:
Schlechtere Löhne für Privatisierungsstopp
- Neuer Kollektivvertrag wird bis Ende Juni verhandelt
- Streikandrohungen werden damit vorerst ausgesetzt

·Österreich gibt dem
Posthorn den Ton an
Unternehmen bleibt
im Besitz des Staates
·Hundstorfer fordert
mehr Geld für uns alle
SPÖ-Minister will den
'sozialen Frieden' erhalten
Zwei positive Nachrichten haben das große Donnerwetter im Hause Post AG vertagt. Die Unternehmensführung konnte sich zum einen mit der Gewerkschaft auf einen Kompromiss einigen. Kernpunkt dieser Einigung: Die Auslagerung der Briefzustellung wird gestoppt, dafür stimmen die Arbeitnehmervertreter Verhandlungen über eine Anpassung des Kollektivvertrags zu. Zum anderen schlug sich die Post im ersten Quartal 2009 erstaunlich gut. Das Unternehmen konnte den Umsatz fast halten und das Filialgeschäft sogar noch ausbauen.
2009 steht laut dem interimistischen Post-Chef Rudolf Jettmar im Zeichen eines fortgeführten Sparkurses, eine Prognose für das Gesamtjahr wurde bei Bekanntgabe der Quartalszahlen nicht gewagt. In den ersten drei Monaten reduzierte sich der Umsatzerlös um 2,4 Prozent auf 595,2 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) gab um 4,3 Prozent auf 47,8 Mio. Euro nach, das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) sank um 4,2 Prozent auf 72,2 Mio. Euro. Das Periodenergebnis ist um 19,5 Prozent auf 33,7 Mio. Euro eingebrochen, das Ergebnis pro Aktie rutschte um 16,6 Prozent auf 0,50 Euro nach unten. Um 14 Uhr lag die Post-Aktie heute mit 4,90 Prozent im Minus bei 23,11 Euro.
Der Umsatz der Division Brief ging im ersten Quartal 2009 um 4,6 Prozent zurück. "Hier waren sowohl die reduzierte tägliche Geschäftspost aufgrund der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung als auch der verzögerte Einsatz von Werbeausgaben im Direct Marketing spürbar", so die Begründung. Im Bereich Paket & Logistik konnte der Umsatz nahezu konstant gehalten werden. Einem Volumsrückgang im Bereich Premiumpaket standen Konsolidierungseffekte sowie eine stabile Entwicklung bei Standardpaketen in Österreich gegenüber. Im Filialnetz wurde dank des Handy- und Bankgeschäftes ein Umsatzzuwachs von 5,6 Prozent verzeichnet. Der Kostenerhöhung im Personalbereich werde im Jahr 2009 "kontinuierlich durch einen Aufnahmestopp und Nutzung der Mitarbeiterfluktuation entgegengewirkt", teilte das teilstaatliche, börsenotierte Unternehmen ad hoc mit.
Division Brief nimmt ab
Die durchschnittliche Zahl der Vollzeitkräfte ging in den ersten drei Monaten des heurigen Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 2,5 Prozent oder 674 Mitarbeiter auf nunmehr 26.012 Mitarbeiter zurück. "Dieser Rückgang resultiert vor allem aus einer Abnahme in der Division Brief", hieß es dazu.
Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Post 600 freiwerdende Stellen nicht mehr nach besetzen, sondern deren Aufgaben an Töchterunternehmen oder kleine Privatanbieter abgeben will. Dies sollte noch 2009 sechs Millionen Euro an Einsparungen bringen, da Nicht-Postler im Regelfall einen weit schlechteren Kollektivvertrag haben. Gestern wurde der Plan aber vorerst auf Eis gelegt, nun soll ein neuer Kollektivvertrag für neu eintretende Postler erarbeitet werden. Ein Nicht-Postbeamter kostet nach Postangaben rund 30 Prozent weniger als ein Postbediensteter.
Einsparungen durch neuen Kollektivvertrag
Post-Chef Rudolf Jettmar ging heute im Ö1-Mittagsjournal davon aus, dass das Einsparungsziel von sechs Millionen Euro auch durch den neuen, nun zu verhandelnden Kollektivvertrag erzielt werden kann. Der oberste Postgewerkschafter Gerhard Fritz wiederum erwartet sich einen branchenüblichen Abschluss. Nachdem bis Anfang 2011 die Post AG als einziger Briefe bis 50 Gramm zustellen darf, wären damit die bestehenden Postgehälter die Richtschnur.
Mit der Liberalisierung 2011 kommt auch auf das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner von Wohnhausanlagen eine Herausforderung zu. Hausbesitzer müssen dann auch den Postkonkurrenten einen Universalschlüssel für die Wohnhausanlage zur Verfügung stellen. Ausnahme: Die Mieter lehnen dies ab, dann muss ein Bewohner ernannt werden, der Briefe entgegennimmt, hieß es aus dem Verkehrsministerium.
(apa/red)

