Stammspieler beim türkischen Champion:
Ekrem Dag wartet auf einen Anruf des ÖFB
- Ex-Sturm-Kicker ist bei Besiktas Istanbul gesetzt
- Doppelstaatsbürger: Kann auch für Türkei spielen

·Der ÖFB klettert das FIFA-Ranking hinauf
78. - Beste Platzierung seit fast zwei Jahren
·IHRE MEINUNG zum österreichischen Team
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So richtig wohl fühlt sich Ekrem Dag in der Nähe des Istanbuler Sükrü-Saracoglu-Stadions nicht. Direkt vor der Heimstätte des Stadtrivalen Fenerbahce muss sich der Besiktas-Spieler so manchen unfreundlichen Kommentar von Fenerbahce-Fans anhören, doch schon wenige Kilometer entfernt von jenem Ort, an dem Sebastian Prödl und Martin Harnik um die UEFA-Cup-Trophäe kämpften, aber noch immer auf der asiatischen Seite der Elf-Millionen-Stadt, lernt Dag wieder die angenehmen Seiten seiner Rolle als Stammspieler beim türkischen Cupsieger und Tabellenführer kennen.
Da wird etwa in einem voll besetzten Nobellokal flugs ein Tisch freigemacht, sobald der 28-Jährige durch die Eingangstür schlendert - schließlich will man einen gestandenen Besiktas-Profi als Promi-Gast nicht vergraulen. "Als Fußballer in Istanbul tust du dir schon leichter", schmunzelt Dag.
Durchbruch und Rückfall bei Sturm
Die Kehrseite hat der österreichisch-türkische Doppelstaatsbürger zur Genüge erlebt. Bei Sturm Graz schaffte Dag, der als achtjähriger Gastarbeitersohn nach Österreich gekommen war, vor sieben Jahren den Durchbruch, dann aber geriet die Karriere auch durch einen Bandscheibenvorfall ins Stocken und der antrittsschnelle Kicker entschied sich im Sommer 2005 für einen Wechsel zu Gaziantepspor, wo er sich schnell etablierte.
Bald zeigte Besiktas Interesse. "Sie wollten mich schon vor zwei Jahren haben, aber da hatte ich noch zwei Jahre Vertrag und der Präsident wollte fast drei Millionen Euro. Letztes Jahr haben sie sich dann auf eine Ablöse von einer Million Euro geeinigt, und Besiktas hat Gaziantepspor noch zusätzlich zwei Spieler gegeben", erzählt Dag.
Auf Anhieb in die Stammelf
Der verheiratete zweifache Familienvater unterschrieb im vergangenen Juni beim zwölffachen Meister einen Vertrag bis 2012. "Aber wenn ich in der ersten Saison nicht gleich gespielt hätte, wäre ich jetzt im Sommer schon wieder weg." Dag schaffte auf Anhieb den Sprung in die Einserformation, auch weil er äußerst vielseitig verwendbar ist.
"Im letzten Spiel war ich linker Flügel, davor rechter und linker Verteidiger und auch im zentralen Mittelfeld. In der Türkei nennen sie mich schon den Jolly Joker." Neben der Tormann-Position kommt gerade einmal die Rolle als Innenverteidiger oder als Zentrumsstürmer für den 1,75 Meter großen Spieler nicht infrage, ansonsten ist Dag flexibel. "Ich weiß eben, welche Aufgaben man in welchen Positionen erfüllen muss."
Beobachtet schon - kontaktiert noch nicht
Durch seinen Stammplatz beim frischgebackenen türkischen Cupsieger wurde auch der österreichischen Nationalteam-Betreuerstab auf Dag aufmerksam. Teamchef-Assistent Heinz Peischl beobachtete den Türkei-Legionär am 4. April beim 1:0-Heimsieg von Besiktas gegen Kayserispor, den Club von Turgay Bahadir. Auf einen Anruf des ÖFB wartete Dag aber noch vergeblich. "Bisher hat mich niemand kontaktiert."
Gegen eine Nominierung für die WM-Qualifikationspartie am 6. Juni in Belgrad gegen Serbien hätte er nichts einzuwenden. "Ich würde gern für Österreich spielen." Doch was passiert, wenn eine Einberufung weiter auf sich warten lässt? "Ich könnte mir auch vorstellen, für die Türkei zu spielen", meint Dag.
(apa/red)
