Dienstag, 26. Mai 2009

Doch noch Erfolg in Paris: Jürgen Melzer verhindert totales Österreicher- Blackout

  • Ringt Argentinier Roitman 6:4,7:6(4),6:0-Sieg ab
  • Zuvor fünf Österreicher en suite ausgeschieden

Im sechsten Spiel eines Österreichers hat es endlich mit einem Sieg bei den diesjährigen French Open geklappt: Nach fünf Niederlagen en suite von Tamira Paszek, Stefan Koubek, Daniel Köllerer, Yvonne Meusburger und Patricia Mayr schaffte Melzer den Sprung in die zweite Runde. Der 28-jährige Niederösterreicher, in Paris als Nummer 24 gesetzt, rang den Argentinier Sergio Roitman nach 2:17 Stunden mit 6:4,7:6(4),6:0 nieder und trifft am Donnerstag auf den 18-jährigen Franzosen Guillaume Rufin.

Für Melzer war es bei schwülem Wetter keine leichte Aufgabe, doch als er auch den zweiten Satz im Tiebreak in der Tasche hatte, war sein argentinischer Kontrahent gebrochen. "Ich habe ein sehr gutes Match gespielt. Ich habe vom ersten bis zum letzten Punkt meinen Kopf in der Partie drinnen behalten. Das war sehr schwierig, auch bei der Hitze, die da heute am Platz gewesen ist." Daher war er auch froh, das Match in drei Sätzen beendet zu haben.

"Schwieriges Match"
Melzer spielt nun gegen jenen Teenager, mit dem er sich vor dem Erstrundenmatch eingeschlagen hat. "Das wird ein schwieriges Match, auch wenn ich als Favorit ins Match gehe. Aber wenn ich eine ansprechende Leistung bringe, werde ich als Sieger vom Platz gehen", sagte Melzer, dessen Gegner vorerst nur die Nummer 599 der Welt ist. Er bekam als Lokalmatador allerdings sicher nicht umsonst eine Wildcard für Roland Garros, daher wird Melzer den Youngster sicher nicht unterschätzen.

Zuvor waren nach Tamira Paszek sowie Stefan Koubek, Daniel Köllerer, Yvonne Meusburger und zuletzt auch Patricia Mayr fünf Österreicher en suite ausgeschieden. Mayr hatte gegen Marija Koryttsewa beim 1:6,1:6 in nur 74 Minuten nicht den Funken einer Chance.

Bittere Tränen nach dem Aus
Die Tirolerin, die nach dem Erreichen der zweiten Runde bei den Australian Open in Paris ihr Debüt gefeiert hat, weinte nach dem Aus bitterlich. "Ich habe noch nie so schlecht gespielt", schluchzte sie. Dabei habe sie sich so auf Paris gefreut. Ebenso glatt verloren, aber weitaus gefasster reagierte da Meusburger, die gegen Lucie Hradecka (CZE) auch nur ein Game mehr gemacht hatte. "Ich bin schon ein bisserl enttäuscht, weil heute überhaupt nicht mein Tag war. Sie hat mich überhaupt nicht ins Spiel kommen lassen und hat immer die Initiative übernommen."

Für Stefan Koubek könnte es möglicherweise gar der letzte Auftritt in Roland Garros gewesen sein. Der 32-jährige Kärntner musste sich dem als Nummer 10 gesetzten Russen Nikolaj Dawydenko nach exakt 100 Minuten relativ glatt mit 2:6,1:6,4:6 geschlagen geben. Auf Grund seiner besonderen Situation ist es durchaus möglich, dass Koubek, zehn Jahre nach seinem Achtelfinale in Roland Garros, hier seine Abschiedsvorstellung gegeben hat.

"Ich habe teilweise gute Bälle gespielt, ein paar Games waren wirklich super, aber im Großen und Ganzen habe ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt", meinte Koubek, der sich auf Sand laut eigenen Aussagen heuer gar nicht richtig bewegen kann. Er wisse vom Spielkonzept her nicht, was er auf diesem Belag tun soll.

"Vielleicht komme ich zuschauen"
Ob er auch 2010 wieder hier im Hauptbewerb spielen wird? "Vielleicht komme ich zuschauen", meinte er bitter. "Zur Zeit fühlt es sich nicht gut an. Da muss körperlich einiges verbessert werden. Seit ich auf Sand spiele, fühle ich mich echt unwohl." Bleibt denn Zeit für Sentimentalitäten? "Sicherlich denkt man dran, ich bin ja nicht mehr der Jüngste und es kann leicht sein, aber.."

Ganze fünf Sätze und 3:43 Stunden stand Daniel Köllerer bei seinem Paris-Debüt auf dem Platz, doch das Ende war letztlich gleich. Der 25-jährige Welser musste sich dem Chilenen Nicolas Massu mit 3:6,4:6,6:1,6:2,3:6 beugen. Die mögliche Davis-Cup-Generalprobe, - Österreich trifft vom 18. bis 20. September auswärts auf Chile -, hätte durchaus aber auch zugunsten Köllerers enden können.

Köllerer war vor den Augen von Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller in den ersten beiden Sätzen zu passiv und haderte zu sehr mit sich selbst. "Die schlechte Aufschlagleistung war ausschlaggebend. Ich habe einfach nicht so serviert wie ich es kann und war am Anfang zu nervös. Das hat man auch in den ersten zwei Sätzen gesehen", meinte auch ein enttäuschter Köllerer. "Die Nervosität war überdimensional groß, im dritten, vierten Satz bin ich dann besser reingekommen."

Zumindest mit dem Erreichen des fünften Satzes war er zufrieden. "Dass ich in den fünften Satz komme, bestätigt ein bisserl meine kämpferische Leistung, aber natürlich ist die Enttäuschung sehr groß."

(apa/red)

26.5.2009 17:02