Donnerstag, 21. Mai 2009

Für Sebastian Prödl bricht Welt zusammen:
'Ganz bittere Momente' nach Finalniederlage

  • 'Wenn man im Finale ist, will man es auch gewinnen'
  • Nicht eingesetzer Martin Harnik ziemlich 'angefressen'

Sichtlich gezeichnet ist Sebastian Prödl aus den Katakomben des Istanbuler Sükrü-Saracoglu-Stadions geschlichen. Die 1:2-Niederlage nach Verlängerung mit Werder Bremen im Fußball-UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk hatte ihre Spuren hinterlassen, daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der Steirer als erster Österreicher seit Franz Wohlfahrt 1998 (0:1 mit dem VfB Stuttgart im Cup der Cupsieger gegen Chelsea) in einem Europacup-Finale stand.

"Das kann man nicht beschreiben. Da bricht eine Welt zusammen", stammelte der 21-Jährige, nachdem er den Ukrainern vor 37.357 Zuschauern zu deren ersten Triumph in einem europäischen Bewerb hatte gratulieren müssen. "Das sind ganz bittere Momente, wenn man den Gegner feiern sieht und selbst am Boden zerstört ist."

"Verdauen und aufarbeiten"
Dem olympischen Gedanken konnte Prödl nichts abgewinnen. "Wenn man in einem Finale ist, will man es unbedingt gewinnen, und wir sind jetzt der erste Verlierer." An eine für ihn persönlich wertvolle Erfahrung glaubte er in den ersten Minuten nach dem Abpfiff auch nicht. "So kurz nach dem Spiel habe ich gar nichts draus gelernt. Ich muss das alles erst verdauen und aufarbeiten."

Die Niederlage empfand Prödl als unglücklich. "In diesem Spiel hätten beide Teams den Sieg verdient, leider hat es für uns nicht gereicht." In der zweiten Hälfte der Verlängerung setzten die Bremer noch einmal alles auf eine Karte, was unter anderem zur Folge hatte, dass der gelernte Innenverteidiger aufgrund seiner Kopfballstärke als Mittelstürmer agierte. "Das haben wir schon öfters gemacht, wenn wir kurz vor Schluss in Rückstand waren. Wir haben eben alles versucht, um das noch umzubiegen."

Prödl bleibt Assist verwehrt
Sekunden vor dem Ende hätte diese Maßnahme noch fast Erfolg gehabt, als Claudio Pizarro nach Kopfballvorlage von Prödl zum vermeintlichen 2:2 einschoss - allerdings hatte der spanische Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo zuvor ein Foul des Werder-Stürmers gesehen und lag damit auf der gleichen Wellenlänge wie Österreichs Ex-Spitzenreferee Gerhard Kapl. "Laut Regelbuch war es Foul", sagte der steirische Verbandschef, der im Endspiel als UEFA-Delegierter fungierte, über den Trikot-Zupfer von Pizarro.

Dieses Assist blieb Prödl verwehrt, dafür war er an einem anderen Treffer beteiligt - dem 1:0 für Schachtjor. "Der Verteidiger wollte den Ball eigentlich auf Jadson spielen, und dann ist der Ball genau in die Nahtstelle zwischen Naldo und mir gegangen und Adriano hat das Tor schön gemacht", beschrieb der 21-Jährige die Situation.

Prödl will nun die Enttäuschung über die Niederlage im Hinblick auf das letzte Meisterschaftsmatch gegen Fast-Meister VfL Wolfsburg und aufs DFB-Cupfinale eine Woche später gegen Bayer Leverkusen so schnell wie möglich überwinden. "Wir müssen jetzt aufstehen und nach vorne schauen", forderte der 20-fache ÖFB-Internationale (2 Tore).

Harnik "angefressen"
Dieser Meinung schloss sich auch sein Clubkollege und Landsmann Martin Harnik an. "Alle sind niedergeschlagen, aber wir haben noch ein Finale vor uns und deswegen muss man dieses Spiel aus den Köpfen bekommen." Beim Offensivspieler gesellte sich zur Trauer über die Niederlage noch der Ärger, die 120 Minuten auf der Bank verbracht zu haben. "Ich bin angefressen, denn ich hätte sehr gern gespielt."

(apa/red)

21.5.2009 11:47