Suu Kyi wies Hausarrest-Verletzung zurück:
Oppositionsführerin äußerte sich vor Gericht
- Wusste über Besucht von Amerikaner nicht Bescheid
- Hausarrest aufgehoben - bleibt allerdings in Haft

·Aung San Suu Kyi: Burmas Lichtgestalt
Schon lange unter Arrest und kämpft doch weiter
·Schwere Vorwürfe gegen US-Amerikaner
Schwamm heimlich über See zu Aung San Suu Kyi
Burmas angeklagte Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat vor Gericht erstmals selbst Stellung zu den Vorwürfen gegen sie genommen. Selbstbewusst und deutlich wies sie in Anwesenheit von etwa 40 Diplomaten aus aller Welt die Anklage zurück, sie habe die Auflagen ihres Hausarrests verletzt. Am Ende des Verhandlungstages im Insein-Gefängnis von Rangun bedankte sie sich bei den Ausländern. "Ich freue mich über die Unterstützung aus aller Welt", sagte die 63-Jährige, ehe sie abgeführt wurde. Außer den Diplomaten waren diesmal auch einheimische Reporter zugelassen. Der Prozess findet ansonsten weitgehend hinter verschlossenen Türen statt.
Suu Kyi ist wegen des heimlichen Besuchs des Amerikaners John Yettaw in ihrem Haus angeklagt. Ihre Hausangestellte habe sie am 4. Mai morgens auf den ungebetenen Gast aufmerksam gemacht, sagte Suu Kyi. Sie habe ihn aufgefordert zu gehen. Weil der Besucher Schwäche zeigte, habe sie ihm "vorübergehend" Unterschlupf gewährt. "Ich habe mich zu ihm gesetzt und mit ihm geredet", sagte sie. Er habe ihr Haus am 5. Mai um kurz vor Mitternacht wieder verlassen.
Vertrauliches Gespräch abgelehnt
Suu Kyi sei etwas ernster gewesen als vergangenen Mittwoch, als erstmals Diplomaten zugelassen waren, sagte der britische Botschafter Mark Canning der BBC. Das Gericht habe erneut einen Antrag der Verteidiger auf ein vertrauliches Gespräch mit ihrer Mandantin zurückgewiesen. Die Anwälte sehen Suu Kyi nur im Gerichtssaal.
Yettaw war angeblich unbemerkt durch den Inya-See zu Suu Kyis Haus geschwommen. Er sagte bei Vernehmungen, er habe um das Leben von Suu Kyi gefürchtet und wollte sie warnen. Suu Kyis Anwälte argumentieren, dass die Sicherheitskräfte versagt haben, weil sie ihn nicht entdeckt haben. Kritiker argwöhnen, dass die Behörden den Besuch zuließen, um einen Grund zur Anklage zu haben.
Hausarrest aufgehoben
Inzwischen ist der Hausarrest gegen Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi nach Angaben ihres Anwalts aufgehoben worden. Gleichwohl bleibe die Friedensnobelpreisträgerin wegen des gegen sie laufenden Gerichtsverfahrens im Gefängnis. "Der Hausarrest ist aufgehoben, aber sie bleibt in Haft. Ich weiß nicht, ob ich glücklich oder traurig sein soll", sagte Verteidiger Nyan Win.
Regulär wäre der Hausarrest gegen Suu Kyi nach sechs Jahren Dauer am Mittwoch zu Ende gegangen. Sie hat seit 1990 13 Jahre im Gefängnis oder im Hausarrest verbracht. Beobachter gehen davon aus, dass das laufende Verfahren mit einer weiteren Verurteilung enden wird.
Der Staatsminister im deutschen Auswärtigen Amt, Günter Gloser, sieht eine Annäherung der Europäer und Asiaten in ihrer Verurteilung des Regimes in Birma. Er lobte die jüngste Kritik der Südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN an dem Prozess. Der Druck der ASEAN-Länder auf Burma, um das Regime zur Einhaltung der Menschenrechte und Demokratisierung zu bewegen, sei unabdingbar, sagte Gloser am Dienstag in Hanoi am Rande des 9. Asien-Europa-Treffen (ASEM) mit Außenministern aus 45 Ländern. Europäische Sanktionen hätten dies nicht erreicht.
(apa/red)
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