Montag, 18. Mai 2009

Grybauskaite siegt bei Wahl in Litauen:
EU-Kommissarin wird neue Staatschefin

  • Somit erstmals Frau an Spitze des Baltikumstaates
  • Ging als Parteiunabhängige Kandidatin ins Rennen

Die EU-Budgetkommissarin Dalia Grybauskaite wird als erste Frau das neue Staatsoberhaupt Litauens. Nach Auszählung fast aller Stimmen entfielen gut 68 Prozent auf die 53-Jährige, die als parteiunabhängige Kandidatin bei der Präsidentenwahl angetreten war. Die Wahlbeteiligung lag bei 51 Prozent. 50 Prozent waren laut Wahlgesetz neben einer absoluten Mehrheit für einen Sieg im ersten Wahlgang nötig. Die Wahlkommission bestätigte den Sieg Grybauskaites mittlerweile.

Grybauskaite hatte sich schon zuvor selbst zur Siegerin erklärt: "Ich glaube, ich habe heute gewonnen, und ich danke allen, die mir ihre Stimme gaben", sagte sie im Fernsehen. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise erklärte sie: "Gemeinsam werden wir aus diesen harten Zeiten besser, schneller und reicher hervorgehen." Im Wahlkampf hatte sie angekündigt, die Exporte zu fördern, EU-Hilfen besser zu nutzen und die Steuern für Klein- und Mittelbetriebe in der Balten-Republik zu senken.

Politische Vollmachten
Die litauische Verfassung gibt dem Staatsoberhaupt im Vergleich zu anderen europäischen Staaten relativ viele politische Vollmachten. Diese liegen vor allem in der Außen- und Verteidigungspolitik. Bereits vor dem Feststehen ihres Wahlsieges hatte Grybauskaite angedeutet, sie werde als litauische Präsidentin von Regierungschef Andrius Kubilius bis Mitte Juli einen Umbau seines Mitte-Rechts-Kabinetts Kabinetts fordern.

Grybauskaite, früher u.a Finanzministerin und maßgeblich an den EU-Beitrittsverhandlungen ihres Landes beteiligt, ist seit 2004 EU-Kommissarin für Haushalt und Finanzplanung in Brüssel. So konnte sich sich von den politischen Parteien absetzen, die wegen der Wirtschaftskrise aber auch Korruptionsvorwürfen unter Druck stehen, und ging als klare Favoritin ins Rennen. Ihr wichtigster Gegenkandidat war Algirdas Butkevicius von den oppositionellen Sozialdemokraten, der, weit abgeschlagen, nur etwas mehr als zwölf Prozent der Stimmen bekam.

(apa/red)

18.5.2009 08:37