Breite Kirchenfront gegen FP-Chef Strache:
"Religiöse Themen für Politik missbraucht"
- "Nicht legitimiert, für religiöse Anliegen aufzutreten"
- Kardinal Schönborn gegen Missbrauch des Kreuzes
IHRE MEINUNG: Ist Strache jetzt zu weit gegangen?

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Heftige Reaktion auf Aussagen von Muzicant
Eine breite Kirchenfront formiert sich gegen die FPÖ und ihren Chef Heinz-Christian Strache. Hat sich Kardinal Schönborn jüngst gegen politischen Missbrauch des Kreuzes ausgesprochen, legt nun der evangelische Bischof Bünker nach: "Hier werden von einer politischen Partei religiöse Themen aufgegriffen und ausschließlich für politische Zwecke missbraucht". Auch der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer tritt gegen "eine Instrumentalisierung des Glaubens" ein.
Der EU-Wahlkampf der FPÖ sorgt für heftige Kritik, nicht nur wegen des Slogans "Abendland in Christenhand", sondern auch, weil Strache bei einer Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Wien mit einem Kreuz aufgetreten war. Auch die FPÖ-Zeitungsinserate, auf denen ein EU-Beitritt Israels in den Raum gestellt und davor gewarnt wird, sorgen für Empörung.
"Grenze überschritten worden"
"Strache besitzt nicht die Legitimation, für religiöse Anliegen aufzutreten", sagt Bünker gegenüber der "Kleinen Zeitung". "Es ist ganz bestimmt eine Grenze überschritten worden, und ich bin froh, dass die Kirchen, der Kanzler und der Bundespräsident klar Stellung bezogen haben". Der evangelische Bischof sieht allerdings auch ein "Dilemma" für die Öffentlichkeit, "denn man fragt sich ja immer, ob man darauf reagieren soll oder nicht". Es sei "zu befürchten, dass sein (Straches, Anm.) Kalkül aufgeht. Zumindest die Aufmerksamkeit wird erhöht."
Nach Ansicht des Innsbrucker Diözesanbischofs Scheuer ist "der politische Gebrauch des Kreuzes ein klarer Missbrauch", sagt er in der "Tiroler Tageszeitung". Denn das Kreuz stehe für "Feindesliebe und für Gewaltfreiheit". Zum FPÖ-Plakat in Sachen "Christenhand" meint Scheuer, das "christliche Verständnis beruht nicht auf Nationen und dem Trennen von Inländern und Ausländern. Die Kirche strebt keine Monopolstellung an."
"Kreuz nicht politisch missbrauchen"
Inhaltlich deutlich, aber ohne FPÖ-Nennung hat sich Kardinal Schönborn gegen die Verwendung des Kreuzes durch die FPÖ bei deren EU-Wahlkampagne gestellt. Das Kreuz als "Zeichen der Versöhnung und der Feindesliebe" dürfe nicht als "Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen politisch missbraucht" werden, sagte der Wiener Erzbischof in seiner Predigt zu Christi Himmelfahrt.
Zudem stellte sich der Kardinal gegen den Slogan "Abendland in Christenhand", mit dem von der FPÖ geworben wird: "Meine Frage ist nicht, ob das Abendland in Christenhand bleibt, sondern ob es Christus im Herzen hat. Ein glaubensloses Abendland, das ist zu fürchten".
FPÖ weist Schönborn-Kritik zurück
FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl weist die Darstellung von Kardinal Schönborn zurück, dass es im EU-Wahlkampf einen Missbrauch des Kreuzes gegeben habe. Die FPÖ sehe im Kreuz "ein Symbol für eine verbindende europäische Wurzeln, ein ökumenisches Symbol für Frieden, Erlösung und Befreiung eben auch unserer Kultur und unserer Werte". In diesem Sinn sei es von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als verteidigenswert gegen Entwicklungen, die genau diese historisch-kulturellen Errungenschaften in Frage stellen, hoch gehalten worden.
(apa/red)
