Das Kultur-Jahr

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15.5.2009 14:16

Klassentreffen des US-Indie-Rocks in Wien:
Grand Archives und Wooden Birds im WUK

  • Das musikalische Schaffen aus der kreativen Einöde
  • Von Austin, Texas bis zur großen Seattler-Szene

Texas kann ja gemeinhin als Kärnten der Vereinigten Staaten bezeichnet werden; genauso verschrien, vorverurteilt und belächelt. Trotz massiver Schikanen – sei es in politischer wie kultureller Hinsicht - schaffen es hier und dort aufstrebende Künstler zu schier unglaublichen Leistungen, wohl aus einer eigenen kreativen Verzweiflung heraus.

Die Südstaatler der USA können konsequent und kontinuierlich mit innovativen Rockbands aufwarten, wie zum Beispiel mit The Wooden Birds aus Austin, die im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus (WUK) ihr neues Album „Magnolia“ präsentierten. Der Fünfer spielt einen lupenreinen Indie-Rock, mit ruhigen Melodien und einer noch ruhigeren Performance. Eine halbe Stunde voll ehrlicher Musik, weit weg vom gängigen Rockstar-Image, um folgend die Bühne der eigentlichen Hauptband Grand Archives freizugeben.

Seattle-Sound
Zweitere sind aus einer anderen Ecke der USA, die aber musikalisch seit Ende der 1980er immer wieder für Überraschungen gut ist: Die Rede ist von Seattle/Washington, dem Schmelztiegel musikalischer Flanellhemd-Träger und Geburtsstätte des Grunge mit all seinen Auswüchsen und Formen.

Flanellhemd-Mythos
Mit dem typischen Seattle-Sound, der seinen Höhepunkt anfangs der 1990er hatte und alsbald wieder in der Versenkung verschwand, hat die Musik von Grand Archives nur noch wenig gemein, obwohl die fünf Musiker dieser Ära zumindest optisch ihren Tribut zollen. Rauschebärte, Holzfäller-Outfit und fettige Haare so weit das Auge reicht, auch hie und da im Publikum. Ein Fan bleibt ein Fan.

Musikalisch bewegen sich Grand Archives in wilden Gefilden. Auf der einen Seite ein wenig Country, Indie-Rock und doch immer die eine oder andere Nuance der Band of Horses, sozusagen die musikalische Wiege des Sängers Mat Brooke, der 2006 die Band verlies um sich neuen Ufern zu widmen. Mit The Grand Archives erschien 2008 das bis dato einzige Album beim Seattler Kult-Plattenlabel Sub Pop, auch wenn die Band live schon die eine oder andere Nummer vom noch unbetitelten Follow-up präsentierte. Ein ruhiger Abend, bei dem es erst bei der ersten Zugabe das erste Mal so richtig laut wurde. Noch immer ein Geheimtipp, leider.

(Philip Dulle)

15.5.2009 14:16
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