Unsterbliches Traumpaar: Heinz Sichrovsky über Muliar und Peymann
- Kommentar: Zwei, die einander ebenbürtig waren
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?
Am Dienstag der Vorwoche wurde Fritz Muliar zu Grabe getragen. Eine Woche ist das erst her? Ja, die Themen verblassen heute oft rascher, als ein Großer sein Ehrengrab beziehen kann. Aber in diesem Periodikum wird er so wenig vergessen werden wie George Tabori, den keiner mehr spielt, ausgenommen die Josefstadt, wo Muliar in Taboris Mein Kampf seinen letzten großen Auftritt hatte. Was Helmuth Lohner beim Begräbnis sagte und wie Claus Peymann dort schwieg, auch das soll bleiben. Peymann kämpfte zu Beginn seiner Wiener Direktionszeit verzweifelt um den genialen Charakterdarsteller. Der aber hatte sich Loyalität und Sturheit als Grundtugenden implantiert, solidarisierte sich mit den Mediokren und hat so die ihm ebenbürtigen Regisseure des
20. Jahrhunderts alle versäumt. Der Peymann, so sagte er mir ein paar Wochen vor seinem Tod, war ein toller Regisseur. Wenn er sich nur hätt benehmen können. Die beiden prozessierten bis ans Grab wegen eines 20 Jahre alten Peymann-Zitats, das in einem Sammelband wieder aufgetaucht war. Dann starb der Widersacher, und Peymann kam aus Berlin zum Begräbnis, stand in der letzten Reihe und schwieg. Solche wie die beiden gibt es bald nicht mehr. Die authentischen, unbiegsamen Querköpfe haben verloren gegen charakterlose Karrieristen, welche die Opern- und Theaterwelt mit ästhetischen Hülsen überziehen.

