Sagen Sie bloß, Sie wundern sich über die Ebensee-Nazis
- Atha Athanasiadis, NEWS-Chefredakteur
- Ihre Meinung: Was denken Sie über dieses Thema?

Keine Ahnung, wie Sie Ihre Jugend verbracht haben. Aber uns damals in der Obersteiermark ist viel eingefallen aber vermummt in ehemalige KZs zu gehen und dort mit Gewehrattrappen herumzuballern wäre uns niemals in den Sinn gekommen. Wobei: Die Vierzehnjährigen aus Ebensee sind für mich nur ein Nebenschauplatz. Vielmehr frage ich mich: Gibt es Menschen dort oder anderswo, die ihnen applaudieren?
Ebensee sind für mich nur ein Nebenschauplatz. Vielmehr frage ich mich: Gibt es Menschen dort oder anderswo, die ihnen applaudieren?
Denn Sieg Heil schreien, das kommt immer von irgendwoher. Das fliegt nicht zu. Lassen Sie mich einen kleinen Exkurs machen: Es war vor einigen Jahren in einem netten kleinen Restaurant in St. Gilgen. Alle Tische waren besetzt, als plötzlich die Tür aufging. Eine alte Dame im Dirndl betrat in Begleitung den Raum. Ich kannte sie nicht dafür war der Rest der Gäste ganz ergriffen. Das ist die Witwe vom Skorzeny, flüsterte mir die Wirtin zu und war sehr beeindruckt. Ein Promi? Für die heimischen Nazis auf jeden Fall. Otto Skorzeny war SS-Offizier. Gründete nach dem Krieg eine internationale Naziorganisation, und bei seinem Begräbnis in Wien (das war in den Achtzigern) salutierten die alten Kameraden mit Nazigruß. So weit die grausliche Kurzbio.
Verblüffend, womit man in Österreich zum Promi wird. Ein ebensolcher, bekannt aus Film, Funk und Werbefernsehen, grüßte mal vor mir einen Freund mit den Worten Sieg Heil! Ah. Na. Das darf man ja nimmer sagen ich meinte: Ski Heil! Dann lachte er, weil es ja so lustig war, was er sagte
Am vergangenen Wochenende dann Besuch aus Deutschland. Auf der Flughafenautobahn bereits der erste Schock bei den Gästen. Ein FPÖ-Plakat war der Grund: Abendland in Christenhand, stand dort. Volksverhetzung ist das, sagte der Kollege aus München. So ein Plakat wäre bei uns ein totaler Skandal. Der Taxler daraufhin trocken: Wieso? Ich würde ,Schweinskotelett statt Minarett plakatieren. Auch er lachte.
Drei Geschichten aus Österreich. Wenn man sie hört, darf man sich nicht mehr wundern, dass Ebensee passiert. Und sich auch nicht fragen, wer da alles insgeheim applaudiert. Es ist schon zum Genieren.
