Mittwoch, 13. Mai 2009

Sagen Sie bloß, Sie wundern sich über die Ebensee-Nazis

  • Atha Athanasiadis, NEWS-Chefredakteur
  • Ihre Meinung: Was denken Sie über dieses Thema?

Keine Ahnung, wie Sie Ihre Jugend verbracht haben. Aber uns damals in der Obersteiermark ist viel eingefallen – aber vermummt in ehemalige KZs zu gehen und dort mit Gewehrattrappen herumzuballern wäre uns niemals in den Sinn gekommen. Wobei: Die Vierzehnjährigen aus Ebensee sind für mich nur ein Nebenschauplatz. Vielmehr frage ich mich: Gibt es Menschen dort oder anderswo, die ihnen applaudieren?

Ebensee sind für mich nur ein Nebenschauplatz. Vielmehr frage ich mich: Gibt es Menschen dort oder anderswo, die ihnen applaudieren?
Denn „Sieg Heil“ schreien, das kommt immer von irgendwoher. Das fliegt nicht zu. Lassen Sie mich einen kleinen Exkurs machen: Es war vor einigen Jahren in einem netten kleinen Restaurant in St. Gilgen. Alle Tische waren besetzt, als plötzlich die Tür aufging. Eine alte Dame im Dirndl betrat in Begleitung den Raum. Ich kannte sie nicht – dafür war der Rest der Gäste ganz ergriffen. „Das ist die Witwe vom Skorzeny“, flüsterte mir die Wirtin zu und war sehr beeindruckt. Ein Promi? Für die heimischen Nazis auf jeden Fall. Otto Skorzeny war SS-Offizier. Gründete nach dem Krieg eine internationale Naziorganisation, und bei seinem Begräbnis in Wien (das war in den Achtzigern) salutierten die alten Kameraden mit Nazigruß. So weit die grausliche Kurzbio.
Verblüffend, womit man in Österreich zum Promi wird. Ein ebensolcher, bekannt aus Film, Funk und Werbefernsehen, grüßte mal vor mir einen Freund mit den Worten „Sieg Heil! Ah. Na. Das darf man ja nimmer sagen – ich meinte: Ski Heil!“ Dann lachte er, weil es ja so lustig war, was er sagte …
Am vergangenen Wochenende dann Besuch aus Deutschland. Auf der Flughafenautobahn bereits der erste Schock bei den Gästen. Ein FPÖ-Plakat war der Grund: „Abendland in Christenhand“, stand dort. „Volksverhetzung ist das“, sagte der Kollege aus München. „So ein Plakat wäre bei uns ein totaler Skandal.“ Der Taxler daraufhin trocken: „Wieso? Ich würde ,Schweinskotelett statt Minarett‘ plakatieren.“ Auch er lachte.
Drei Geschichten aus Österreich. Wenn man sie hört, darf man sich nicht mehr wundern, dass Ebensee passiert. Und sich auch nicht fragen, wer da alles insgeheim applaudiert. Es ist schon zum Genieren.

13.5.2009 16:12
sidestep, 14. 05. '09 08:04
Dummköpfe
Mehr als einen Satz über diese Dummköpfe zu verlieren, hieße sie ernster zu nehmen, als sie es verdienen. Sich zu fragen, warum dies immer wieder passiert, muss aber erlaubt sein. Man nehme nur die derzeitige Reise des Papstes her. Immer wieder wird von den israelischen Medien verlangt, dass er sich entschuldigt. Zum wievielten Male eingentlich noch? Und tut er es, dann war es zuwenig oder unvollständig usw. Alle Politiker von heute, die mit dem millionenfachen Mord an den Juden in den Gaskammern nichts zu tun haben, werden "gezwungen" sich für die Taten ihrer Großväter und Urgroßväter immer wieder zu entschuldigen, gerade so, als wären sie selbst die Mörder gewesen. Es sieht so aus, als wolle das Judentum eine Sippenhaftung einführen. Das verbittert und steigert den Hass auf dieses Volk.
Rosalie68, 14. 05. '09 09:51
Re: Dummköpfe
warum grad von diesem Papst eine entschuldigung erwartet wird ???

+ Aufhebung der Exkommunikation eines bekennenden Holocaustleugners!

+ Anerkennung der Pius Bruderschaft - bitte ich kann mir denken wer da applaudiert hat

+ Wiederzulassung des römischen Messritus mit der Fürbitte zu Bekehrung der Juden...

Man kann sich für die Taten vieler Groß- und Urgroßväter auch heute noch entschuldigen,

und man kann sich für die Aufstachler, Lächler und Wegschauer nur schämen - oder aber nicht lächeln sondern immer wieder aufzeigen wie falsch es ist !
sidestep, 14. 05. '09 10:55
Re: Dummköpfe
Wenn man sich für diese Taten auch heute noch entschuldigen muss (darüber bin ich bereit nachzudenken), dann frage ich, wie lange muss man sich noch entschuldigen? Müssen es unsere Kinder und Kindeskinder auch noch in 50 oder 100 Jahren tun und wenn ja wie lange darüber hinaus noch? Dieser schreckliche Holocaust darf nicht vergessen werden. Da bin ich dacore! Aber muss ich mich dafür entschuldigen, was unsere Großväter und Urgroßväter getan haben? Wenn mein Großvater jemand ermordet hätte, muss ich und meine Kinder und Kindeskinder sich bei der Familie des Opfers noch entschuldigen? Wenn man sich mit der Geschichte der Juden befasst, und auch Dr. Ariel Muzicant hat gesagt, dass seit es die Juden gibt, diese immer verfolgt worden sind. Macht das nicht auch nachdenklich warum dies so ist?
Rosalie68, 14. 05. '09 14:09
Re: Dummköpfe
gerade durch die Ereignisse der letzten Wochen sollte man sich überlegen ob es nicht gut wäre sich ständig dafür zu entschuldigen !

erst wenn man wirklich ein Bewußtsein dafür geschaffen hat, dass es sich um ein Verbrechen an der Menschheit gehandelt hat - und nicht zuläßt, dass diese Tendenzen wieder Überhand nehmen, dann kann man mit den Entschuldigungen aufhören - dann hat man aus den Greueln dieser Zeit etwas gelernt...

zZt. kommt es mir persönlich aber so vor als hätten viele - viel zu schnell vergessen und lassen sich mit den alten Tricks wieder instrumentalisieren ..