Mittwoch, 13. Mai 2009

Gute Stimmung unter den Demonstranten:
Herbeigeströmt aus allen Bundesländern

  • Trillerpfeifen, Trommeln und Transparente dabei
  • Das Motto der Demo lautete: "Wir verzichten nicht!"

Servatius, der zweite Eisheilige, stand an diesem Mittwoch auf der Seite der Gewerkschaft. War es tagsüber die meiste Zeit bedeckt, riss gegen 15.00 Uhr der Himmel auf, und die Sonne lachte den laut ÖGB rund 25.000, laut Polizeischätzung etwa 15.500 Demonstranten ins Gesicht, die sich am Mittwochnachmittag am Schwarzenbergplatz in der Wiener City zum Protestzug gegen die schleppenden Lohnverhandlungen mit der Arbeitgeberseite versammelt hatten. "Milliarden für die Hochfinanz, nix für uns - das ist ein Pflanz!", war auf einem Transparent zu lesen - deshalb waren sie gekommen.

Gute Stimmung herrschte unter den Demonstranten, die zumeist mit dem Bus aus ganz Österreich in die Bundeshauptstadt transportiert worden waren. Daran änderte auch das Transparent mit der Aufschrift "Wir in der Industrie kämpfen um jeden Arbeitsplatz", das die Industriellenvereinigung an ihrem Hauptquartier gleich gegenüber vom Versammlungspunkt der Gewerkschaften angebracht hatte, nichts.

Das Motto der Demo lautete: "Wir verzichten nicht!" Dementsprechend war auch alles dabei, was man zu einer anständigen Demo benötigt: Trillerpfeifen, die nach jedem Statement auf der Bühne betätigt wurden, Trommeln, mit denen jede neu angekommene Delegation begrüßt wurde, Transparente, Mobilklos, Fahnen und eine Videowall.

Vor allem über die Stärkung der Kaufkraft wollten die Arbeitnehmervertreter die andere Seite von der Notwendigkeit ordentlicher Lohnerhöhungen überzeugen: "Mehr Lohn = gute Investition" war auf einem Transparent zu lesen. Oder wie es eine oberösterreichische Arbeitnehmerin im Gespräch mit der APA formulierte: "Wenn's keine Lohnerhöhung gibt, sparen die Leute noch mehr."

"Uns reicht es"
Andere sagten kürzer, warum sie zur Demo gekommen waren: "Uns reicht es", war auf einem Transparent zu lesen. Oder: "Mit uns nicht, da könnt ihr kopfstehen (verkehrt angebracht, Anm.)". Den Arbeitgebern wurde Gier vorgeworfen. Als ein Gewerkschaftsvertreter Zahlen von Gehaltserhöhungen rapportierte, die sich Vorstände diverser Unternehmen genehmigt haben sollen, wurde Unmut laut: "AUA - 146 Prozent". - "Jo hätt's wos G'scheit's g'lernt", meinte ein Demonstrant.

Unter den Teilnehmern des Protests befanden sich auch einige, die erst im Herbst wieder den Lohnabschluss verhandeln. "Wir sind im Herbst die ersten", sagte ein Mitglied einer Grazer Delegation der APA. "Wenn jetzt nichts Vernünftiges herauskommt bei den Lohnverhandlungen, wird es im Herbst noch schlimmer. Und wir haben wieder Signalwirkung für alle anderen", so der Arbeiter. "Sicher gibt's a Krise. Wenns zu Lohnverhandlungen kommt, geht immer auf einmal alles schlecht."

"Jeder Cent ist wichtig"
Eine ÖGB-Delegation aus dem Mühlviertel war seit etwa 10.00 Uhr unterwegs, um zur Demo zu gelangen. "A Wahnsinn", kommentierte eine Demonstrantin aus dieser Gruppe die Lohnverhandlungen. "Bei uns arbeiten die Leute schon kurz, das sind 150 bis 250 Euro weniger. Jeder Cent ist wichtig", sagte sie.

Dass wirklich so viele an der Demo teilnahmen, konnten die Gewerkschafter selbst nicht glauben. "Wo san denn de?", fragte einer um sich blickend, als vom Podium verkündet wurde, wie viele Manifestanten erschienen waren. Erst gegen 16.30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, die Abschlusskundgebung vor der Wirtschaftskammer in der Wiedner Hauptstraße sollte gegen 18.00 Uhr abgeschlossen sein.

Die Auswirkungen der Demo auf den Verkehr hielten sich laut Polizei in Grenzen. "Es ist nicht so schlimm", sagte eine Polizeisprecherin der APA.


(apa/red)

13.5.2009 18:01