Donnerstag, 14. Mai 2009

"Der Waffen-Lobbyist ist nur eine Legende":
Alfons Mensdorff-Pouilly im NEWS-Interview

  • Verhaftung für den Grafen "noch kein Schuldspruch"
  • "Wie ich Mais & Holz verkaufe, verkaufe ich die Jagd"

Das Schloss im südburgenländischen Luising ist nicht zu übersehen. Vor allem, weil die Farben der Mensdorff-Pouillys über dem Giebel wehen. Das bedeutet: Der Graf ist zugegen. Das ist nur eine seiner Schrullen. Wie versprochen, trifft Alfons Mensdorff-Pouilly NEWS zu seinem ersten Interview. Da will er den Bestechungsverdacht gegen seine Person entkräften und Vorverurteilungen nach seiner spektakulären Verhaftung entgegenwirken.

NEWS: Herr Mensdorff-Pouilly, was genau ist Ihr Beruf?
Alfons Graf Mensdorff-Pouilly: Ich bin Bauer.

NEWS: Die Öffentlichkeit kennt Sie als Waffen-Lobbyist. Ist das ein gutes Geschäft?
Mensdorff: Der Waffen-Lobbyist ist eine Legende. Die MPA ist eine Consultingfirma, die große Konzerne über wirtschaftliche, politische und kulturelle Fragen berät. Die MPA hatte immer bis zu 30 Kunden, wovon einer die British Aerospace war, die unter anderem an einer Firma beteiligt ist, die Abfangjäger baut. Was wir gemacht haben, war, sie für ihre Strategie in einigen europäischen Ländern zu beraten.

NEWS: Unter einem Waffen-Lobbyisten stellt man sich jemanden vor, der Entscheidungsträger beeinflusst, vielleicht besticht, um Waffen von einem Konzern zu kaufen.
Mensdorff: Uns war egal, wer was kauft. Wir haben beraten, aber nie einen Kauf besprochen oder abgewickelt. Wir haben Ratschläge gegeben.

NEWS: Sind Sie noch Waffen-Lobbyist?
Mensdorff: Ich habe mich nie als solcher gefühlt oder gesehen. Und wenn Sie den Vertrag mit British Aerospace meinen, der wurde am 28. April 2007 gekündigt.

NEWS: Sie wurden wegen dieses Kunden verhaftet.
Mensdorff: Das war die Meinung des Staatsanwalts. So ist es in einem Rechtsstaat. Das ist ja noch lange kein Schuldspruch.

NEWS: Sie haben Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner während Ihrer U-Haft getroffen?
Mensdorff: Mit dem habe ich Schach gespielt.

NEWS: Sie laden viele teils sehr prominente Menschen zur Jagd ein und veranstalten große Gesellschaften. Was bringt Ihnen das?
Mensdorff: Diese Leute bezahlen dafür. Ich bin Jagdunternehmer. Die Jagd ist ein wichtiger Geschäftszweig. So wie ich Mais und Holz verkaufe, verkaufe ich die Jagd. Damals waren Land- und Forstwirtschaft fast am Ende, und ich habe mir überlegt, womit man noch Geld verdienen kann . Ich habe das wenige, das da war, jagdlich kommerzialisiert.

NEWS: Gekrönte Häupter sind Ihnen nicht fremd, zumal Sie mit einigen der regierenden Herrscherhäuser wie den Windsors verwandt sind.
Mensdorff: Die meisten europäischen Aristokraten sind in irgendeiner Weise näher oder weiter verwandt.

Marcus R. Leeb

Lesen Sie mehr zu Mensdorff-Pouillys Jagdgeschäft im aktuellen NEWS 20/09!

14.5.2009 08:43