Dienstag, 12. Mai 2009

Milch-Debakel: Landwirtschaftskammer
fordert Strukturreformen bei Molkereien

  • Wlodkowski: "Der Milchmarkt muss freier werden"
  • Zuviel Milch durch Preisrückgang und Importanstieg

Vor dem Hintergrund sinkender Bauernmilchpreise will nun der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, die heimischen Molkereien in die Pflicht nehmen und fordert Strukturreformen. Auch die großen Molkereien sollten überlegen, wie sie enger zusammenarbeiten könnten, sagte der Kammer-Chef.

Experten in Brüssel gehen davon aus, dass sich die Lage auf dem EU-Milchmarkt, der derzeit von dramatisch sinkenden Erzeugermilchpreisen stark unter Druck ist, "mittelfristig, in zwei bis vier Jahren" wieder normalisieren werde und die Lage für die Bauern gar nicht so schlecht sei, berichtete Wlodkowski nach einer Experten-Sitzung in Brüssel. In Anbetracht dessen sei von allen Ländern "massivst" eingefordert worden, dass die EU "die Preise nicht ins Uferlose fallen lässt und Existenzen vernichtet werden oder aufs Spiel setzt". Betroffen sei aber nicht nur die Milch, sondern auch Fleisch und Getreide.

Acht Mio. Tonnen Milch zuviel
"Wir müssen den Milchmarkt freier bekommen", brachte es der Landwirtschaftskammer-Präsident auf den Punkt. Tatsache sei, dass der Konsum EU-weit zurückgegangen sei. In Kombination mit den höheren Importen gebe es in der Union derzeit acht Millionen Tonnen zuviel Milch - obwohl die Anlieferung im abgelaufenen Milchwirtschaftsjahr um zwei Prozent zurückgegangen sei. Zum Vergleich: Die österreichische Milchmenge liegt bei 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr.

Am österreichischen Abrechnungssystem für die Milchquoten, der sogenannten Saldierung (am Ende des Milchwirtschaftsjahres werden Über- und Unterlieferungsmengen gegengerechnet und eine mögliche Strafzahlung auf alle Milchbauern verteilt), will Wlodkowski festhalten. Die Molkereien sollten ihre Milchlieferanten zur freiwilligen Lieferrücknahme bewegen, meinte der Kammer-Präsident. Aber auch mehr Quotendisziplin von den Milchbauern sei notwendig. (apa/red)

12.5.2009 10:24