Budgetstreit wird zur großen Zerreißprobe:
Formel 1 droht ihr 'Zugpferd' zu verlieren
- Ferrari will so nicht an der WM 2010 teilnehmen
- Sollten sich Regeln für kommendes Jahr nicht ändern
Auch Renault droht nun mit Ausstieg aus Königsklasse

·Niki Lauda: Nur Egozentriker in Teams
Stellt sich im Budgetstreit auf Seite Mosleys & FIA
·Auch Red Bull erwägt Ausstieg aus Formel 1
Mateschitz sieht in Regel-
änderungen keinen Sinn
·Toyota droht mit Abschied aus Formel 1
Wegen umstrittener Budgetobergrenze
·Formel 1 muss
sparen: Aber wie?
Zeit drängt. Logistische Probleme für Ferrari & Co
Die Formel 1 steht vor einer Zerreißprobe. Die FIA unter der Federführung von Max Mosley will eine Budgetobergrenze einführen. Ein radikaler Schnitt, der den großen Teams ein Dorn im Auge ist. Allen voran Ferrari. Der italienische Rennstall mit dem Pferd im Wappen wird nicht an der WM 2010 teilnehmen, sollte der internationale Automobilverband nicht die beschlossenen Regeln ändern. Dies kündigte der Sportwagenhersteller an. Eine Formel 1 ohne Ferrari. Unvorstellbar, aber vielleicht bald Realität, denn Ferrari meint es offenbar ernst.
"Der Aufsichtsrat ist der Ansicht, dass mit diesen Regeln in der künftigen Formel 1 nicht mehr die Bedingungen für den Verbleib Ferraris in der Meisterschaft bestehen", hieß es in einer Presseaussendung. Ferrari betonte, dass es als einziges Team ohne Unterbrechungen an den Formel 1-WM seit 1950 teilgenommen habe.
Auch Red Bull und Toyota drohen
Zum ersten Mal in der Geschichte der Formel 1 soll in der WM 2010 unterschiedliche Regeln für die Teams eingeführt werden, die auf "willkürlichen technischen Regeln und wirtschaftlichen Parametern" basieren. Bereits zuvor hatten Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz und Toyota mit einem Rückzug aus der Formel 1 gedroht.
Und darum geht es: Diejenigen Teams, die sich 2010 an die Budgetobergrenze von 40 Millionen Pfund (44,5 Mio. Euro) halten, sollen einschneidende, vor allem technische Freiheiten erhalten. Sprich: Das Drehzahllimit für die Motoren wird aufgehoben, die Anzahl der verwendeten An- und auch Getriebe ist frei. Der Frontflügel darf mehr, der Heckflügel frei verstellt werden. Auf der Strecke sollen die Vorteile bis zu zwei Sekunden pro Runde bringen.
Die Ankündigung Ferraris sorgte im eigenen Land für einen Aufschrei. "Ferrari-Schock: Addio Formel 1", meinte der "Corriere dello Sport". "Schock!!!", meinte "La Gazzetta dello Sport" und schrieb von der Revolte Ferraris. "Wir sind im Krieg!"
Renault will ebenfalls aussteigen
Auch Renault hat unterdessen seinen Rückzug aus der Formel 1 angekündigt, wenn der Automobil-Weltverband die Regeln nicht mehr ändern sollte. "Wir können nicht in einer Meisterschaft starten mit unterschiedlichen Regeln", sagte Team-Präsident Bernard Rey.
In Italien nährte die Ankündigung der Scuderia auch die Spekulationen um eine "Piratenserie" mit den anderen Herstellern der Formel 1. Fiat-Ferrari, BMW, Mercedes, Renault und Toyota könnten eine eigene WM gründen und jeweils drei Autos ins Rennen schicken, orakelte "La Gazzetta dello Sport". Und "Tuttosport" nannte bereits mögliche Austragungsorte, darunter neben dem Hockenheimring "wahrscheinlich" auch den Lausitzring. "Montezemolo arbeitet an der Alternativ-Weltmeisterschaft", berichtete auch "La Repubblica".
(apa/red)
