Totgesagte leben länger: Neustart für traditionsreiches Tennis-Turnier in Kitzbühel
- Leitgeb: Übersiedelung der Lizenz von Pörtschach

Totgesagte leben länger. Das Tennis-Turnier in Kitzbühel, dem schon vor zwei Jahren das Ende nach über sechs Jahrzehnten vorausgesagt worden war, ist ein gutes Beispiel dafür. Als Jürgen Melzer am 20. Juli 2008 das Finale der 63. Auflage bestritten hatte, ärgerte er sich nach dem glatten 2:6,1:6 gegen Juan Martin del Potro (ARG): "Schade, dass es das letzte Finale in Kitzbühel ist, ich kann nicht mehr den Finaleinzug verteidigen." Zehn Monate später, zum neuen Termin unmittelbar vor Roland Garros und mit neuer ATP-Lizenz dank Ronnie Leitgeb, kommt es am Hahnenkamm zu einer Neu-Auflage. Mit Melzer.
In vielen Belangen ist das Turnier aber schon im Vorfeld nicht mehr mit jenem der Vergangenheit vergleichbar. Und dies nicht, weil sie nun "Interwetten Austrian Open" heißen oder die Dotation auf 450.000 Euro reduziert worden ist. Denn Leitgeb, dem für seine ATP-Lizenz nach dem Abschied aus Pörtschach aus dem Ausland lukrative Summen geboten worden waren, kehrt die Turnierpolitik faktisch um. Ausgerechnet er, der die VIP-Zelte bei Tennisturnieren und Davis-Cup-Veranstaltungen in Zeiten des Muster-Booms eingeführt hatte, stellt die Veranstaltung auf völlig andere Geleise.
"Kitzbühel ist immer für wahnsinnig viel Geld gestanden und wahnsinnig viel Geld, das auch ausgegeben wurde. Ich habe versucht, es zurückzuführen auf das Sportliche. Der Sport soll im Mittelpunkt stehen, das Rundherum soll korrekt sein, aber nichts Über-drüber oder Halli-Galli", erklärte der seit Mittwoch 50-jährige, ehemalige Muster-Manager und Davis-Cup-Kapitän gegenüber der APA. Darum gibt es nicht nur keine VIP-Zelte, sondern sogar freien Eintritt in der gesamten Turnierwoche - via Turnier-Website (www.atpkitz.at) konnten Fans aus ganz Österreich sich Gratis-Tickets in Form von "boarding"-Pässen sichern.
(apa/red)
