Montag, 18. Mai 2009

Dunkle Wolken über Rad-Legende Totschnig:
Systematisches Doping bei Team Telekom

  • Kommission: Gilt für Zeitraum von 1995 bis 2006
  • Expertenbericht erhebt schwere Anschuldigungen
    Betrifft auch die Österreicher Trampusch und Kohl

Der Abschlussbericht zur Doping-Affäre an der Universitätsklinik Freiburg wirft einen Schatten auf die komplette Erfolgsgeschichte des früheren deutschen Rad-Vorzeigeteams Telekom/T-Mobile. Nach der Befragung von 77 Zeugen kam die Doping-Untersuchungs-
Kommission zu dem Ergebnis, dass im Profiteam mehr als zehn Jahre lang manipuliert wurde. "Die Kommission hat ermittelt, dass im Team Telekom/Team T-Mobile von 1995 bis 2006 durch die beiden Ärzte Dr. Heinrich und Prof. Schmid systematisch gedopt wurde."

Im angegebenen Zeitraum fuhren auch drei Österreicher für den deutschen Radrennstall: Der Tiroler Georg Totschnig (1997 bis 2000), dessen Landsmann Gerhard Trampusch (2000 und 2001) sowie der Niederösterreicher Bernhard Kohl (2005 und 2006). Kohl, der im Vorjahr bei nachträglichen Dopingkontrollen der Tour de France als Sportbetrüger entlarvt worden war, hat am 31. März dieses Jahres Doping seit 2005 gestanden.

Trampusch war selbst mehrmals in der Universitätsklinik in Freiburg, "allerdings nur zu sportmedizinischen Untersuchungen und Tests", wie er auf APA-Anfrage bestätigte. Von systematischem Doping bei seinem Team habe er nichts mitbekommen. "Da habe ich nie etwas gemerkt oder gesehen",

"Systematische Dopen perfektioniert"
"Das systematische Dopen unter ärztlicher Kontrolle wurde perfektioniert", sagte der Kommissionsvorsitzende Hans Joachim Schäfer bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Freiburg. Neben zahlreichen geständigen Dopingsündern wurden die beiden deutschen Radprofis Andreas Klöden und Matthias Kessler namentlich erwähnt und damit schwer belastet.

Die drei Kommissionsmitglieder unter dem Vorsitz des Juristen Schäfer kamen zu dem Schluss, dass "neben dem geständigen Fahrer Patrik Sinkewitz während der Tour de France 2006 zumindest zwei weitere Radfahrer mit Hilfe der beiden Ärzte Eigenblutdoping betrieben haben: Matthias Kessler und Andreas Klöden." Kessler, noch bis zum 26. Juli wegen Testosteron-Dopings gesperrt, und Klöden haben bisher alle Doping-Vorwürfe bestritten.

"Ein Rhein-Konvoi mit mehreren Fahrzeugen hat sich nicht erweisen lassen. Aber es war in jedem Fall ein Fahrzeug mit Sinkewitz, Klöden und Kessler", sagte Schäfer. Die drei Fahrer sollen sich am 2. Juli 2006 während der Tour Eigenblut-Transfusionen unterzogen haben. Sinkewitz' frühere Freundin habe sie im Auto von Straßburg nach Freiburg gefahren - und wieder zurück.

Beginn 1995
Laut dem Dokument begann systematisches EPO-Doping in der Telekom-Equipe unter Anleitung der Teamärzte Schmid und Heinrich im Jänner 1995 während eines Trainingslagers auf Mallorca. Schon 1994 seien Glucocorticoide und Wachstumshormone im Team Telekom eingesetzt worden. Der Bericht listet verschiedene Indizien auf, "die in Verbindung mit weiteren Erkenntnisquellen der Kommission auf Doping mit EPO-Präparaten oder Blutdoping bis einschließlich 2006 hindeuten".

Totschnig bekam nichts mit
Georg Totschnig, der im betreffenden Zeitraum im Team Telekom unter Vertrag gewesen war, sagte gegenüber der APA, er sei von der Untersuchungskommission nicht befragt worden. Er habe während seines Engagements für den Rennstall nichts von verbotenen Praktiken der Teamärzte mitbekommen. "Ich habe dort die sportmedizinischen Untersuchungen absolviert, ganz normal, mir ist nichts aufgefallen", erklärte Totschnig.

(apa/red)

18.5.2009 13:33