John Demjanjuk in deutsches Gefängnis eingeliefert: Beihilfe zum Mord vorgeworfen
- Ärzte: Mutmaßlicher NS-Verbrecher ist "haftfähig"
- Soll für Tod von 29.000 Menschen verantwortlich sein

Der aus den USA nach Deutschland abgeschobene mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk ist in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim eingetroffen. An einem Medienaufgebot vorbei fuhr der Krankenwagen mit dem 89-Jährigen auf das Gelände des Gefängnisses. Nach Einschätzung der Ärzte der Münchner Haftanstalt Stadelheim ist Demjanjuk haftfähig. "Sein Zustand ist gut - er ist nicht altersadäquat, sondern besser, als man es bei einem 89-Jährigen erwarten kann", sagte der stellvertretende JVA-Leiter Jochen Menzel.
"Jetzt ist er ohne Zweifel haftfähig." In Demjanjuks Alter könne sich der Gesundheitszustand allerdings stündlich ändern. Nach Angaben von Menzel wurde Demjanjuk in einem Gemeinschaftshaftraum in der Pflegeabteilung zusammen mit einem Rollstuhlfahrer untergebracht werden.
Wegen Beihilfe zum Mord angeklagt
Die Münchner Staatsanwaltschaft will bereits in den nächsten Woche Anklage erheben. Ein ärztlicher Sachverständiger ist mit der Begutachtung der Verhandlungsfähigkeit Demjanjuks beauftragt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 89-Jährigen vor, im Zweiten Weltkrieg als Wachmann im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet zu haben. Der gebürtige Ukrainer soll geholfen haben, die Menschen in die Gaskammern zu treiben. Demjanjuk bestreitet die Vorwürfe.
Anwalt legte Beschwerde gegen Haft ein
Sein Anwalt Günther Maull sagte, er habe sofort Beschwerde gegen den Haftbefehl eingelegt. Die Beweise seien nicht stichhaltig und die Zuständigkeit der deutschen Justiz fraglich. Ulrich Busch, Demjanjuks zweiter Verteidiger, erwägt bereits Verfassungsbeschwerde gegen den Haftbefehl. Die Abschiebung von den USA nach Deutschland zum Zwecke der Strafverfolgung sei ungesetzlich. Demjanjuks Grundrecht auf ein faires Verfahren sei tangiert.
Parallel zur Ankunft Demjanjuks ist in München ein wichtiger Zeuge vernommen worden. Der möglicherweise einzige noch lebende Augenzeuge aus dem Vernichtungslager, der 82 Jahre alte Thomas Blatt, schilderte die Zustände in dem Lager rund 250 Kilometer südöstlich von Warschau. Blatt, der in Kalifornien lebt, hatte dort als 15-Jähriger Eltern und Bruder verloren und will als Nebenkläger in einem möglichen Prozess gegen Demjanjuk auftreten. Günther Maull, der Anwalt Demjanjuks, hat unterdessen Beschwerde gegen den Haftbefehl gegen seinen Mandanten eingereicht. Die Beweise seien laut Maul nicht stichhaltig, und die Zuständigkeit der deutschen Justiz sei fraglich.(apa/red)
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