"Graben zwischen Juden und dem Vatikan":
Massive Kritik an Papst-Rede in Yad Vashem
- Keine Worte der Entschuldigung für den Holocaust
- Auch Distanzierung von Pius-Brüdern hat gefehlt
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Der im Vorhinein als heikel titulierte Besuch des Papstes in Yad Vashem hat gehalten, was er versprochen hat, nämlich Diskussionen und Kritik über und an der Rede Benedikts. So ging der deutsche Papst weder auf die Rolle der Kirche während der Judenvernichtung ein noch distanzierte er sich von der antisemitischen Pius-Bruderschaft. Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch sprach von einem "Graben zwischen Juden und dem Vatikan". Zudem sorgte ein prominenter Palästinenser für einen Eklat in Jerusalem.
Auch wenn der Papst sich mit klaren Worten gegen das Leugnen und Verharmlosen des Holocaust gewandt hat, zeigt sich der Zentralrat der Juden in Deutschland enttäuscht. Der Unmut sei vor allem dadurch entstanden, dass der Papst weder eine Distanzierung zu den Pius-Brüdern und ihrem Holocaust-Leugner Richard Williamson noch zur Aufforderung zur Judenmissionierung in der Karfreitagsfürbitte habe erkennen lassen, sagte die Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch in den ARD- "Tagesthemen".
"Graben zwischen Juden und Vatikan"
"Es ist ein Graben zwischen den Juden und dem Vatikan." Knobloch forderte den Papst auf, die Archive des Vatikans zu öffnen, damit das Verhältnis von Papst Pius XII. in der Nazizeit zu den Juden geklärt werden könne. Nötig ist aus ihrer Sicht zudem eine generelle Entschuldigung für die Verfolgung der Juden auch durch die katholische Kirche in früheren Jahrhunderten.
Rabbiner Israel Meir Lau, Vorsitzender des Yad-Vashem-Rates und Holocaust-Überlebende, fand die Rede des Papstes zwar bewegend, doch es habe auch für ihn etwas gefehlt. So monierte er gegenüber der Tageszeitung "Haaretz", dass weder die für das Gemetzel verantwortlichen Deutschen oder Nazis beim Namen genannt worden sind, noch es eine Entschuldigung oder ein Wort des Bedauerns gegeben habe.
Eklat durch Palästinenser
Ein prominenter Palästinenser hat unterdessen mit verbalen Ausfällen gegen Israel für einen Eklat gesorgt. Nach einer Ansprache des Papstes bei einer interreligiösen Begegnung im Jerusalemer Notre-Dame-Zentrum ergriff Scheich Taysir al-Tamimi, der an der Spitze der islamischen Gerichte der Palästinensischen Autonomiebehörde steht, das Mikrofon und forderte Christen und Muslime zur Zusammenarbeit gegen Israel auf: "Wir kämpfen zusammen gegen die Untergerechtigkeit der israelischen Besatzung und ihrer unterdrückerischen Praktiken, und wir leiden zusammen unter ihr", sagte Tamimi.
Die israelischen Abriegelungen seien "eine rassistische Mauer", die das Westjordanland in ein "gigantisches Gefängnis" verwandelt hätten und Muslime und Christen daran hinderten, in ihren Gotteshäusern zu beten, fügte Tamimi hinzu. Den Papst forderte Tamimi "im Name des einen Gottes" auf, die israelischen "Verbrechen" an den Palästinensern während der Offensive im Gazastreifen zu verurteilen. Zudem solle das römisch-katholische Kirchenoberhaupt Israel Druck machen, damit die "Aggression gegen das palästinensische Volk" aufhöre. Der ebenfalls anwesende Lateinische Patriarch Fuad Twal versuchte wiederholt, Tamimi zum Schweigen zu bringen.
(apa/red)
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